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Was ist eigentlich eine Konversionsstörung?

Konversionsstörungen, auch dissoziative Störungen genannt, sind tiefgreifende psychische Störungen, die sich in schweren körperlichen Symptomen äußern, für die jedoch kausal keine körperlichen Ursachen vorliegen.
Dissoziative Störungen können sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen auftreten, dabei sind Frauen häufiger betroffen als Männer. Derzeit geht man von einer Häufigkeit von 1 bis 4 Prozent in der Allgemeinbevölkerung aus. Allerdings ist eine hohe Dunkelziffer aufgrund von nicht oder falsch diagnostizierten Fällen sehr wahrscheinlich.
Symptome einer Konversionsstörung
Dissoziative Störungen können sich unterschiedlich äußern, z. B. durch Bewegungsstörungen, Krampfanfälle, Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen oder Mischformen davon.
Betroffene Patienten sprechen von schweren, quälenden Attacken, die bei ihnen mitunter auch Panik und Todesangst auslösen. Sie verspüren einen hohen Leidensdruck, häufig verbunden mit zusätzlichen Schmerzen oder auch starker Übelkeit begleitet von Erbrechen.
Ebenso treten Sensibilitäts- und Empfindungsstörungen, bei dem der Patient zeitweise nicht riechen, sehen, hören oder fühlen kann, bei dissoziativen Störungen auf.
Dissoziative Bewegungsstörungen beeinträchtigen Wahrnehmung
Bei dissoziativen Bewegungsstörungen fühlen sich Betroffene vollständig oder teilweise gelähmt, meist im Bereich der Beine. Sie können ihre Bewegungen nicht koordinieren, laufen wie unter Alkoholeinfluss oder verspüren gänzlich eine Unfähigkeit zu gehen oder zu stehen.
Auch das Sprechen ist teilweise oder ganz gestört, sodass Betroffene während der Attacke nur ganz leise flüstern oder gar nicht sprechen können.
Einige Patienten erleben Trancezustände, bei denen sie zeitweise eine Amnesie erleben, sich an nichts erinnern können, von zu Hause weglaufen oder die Umgebung nicht wahrnehmen.
Gut zu wissen: Dissoziativer oder epileptischer Krampfanfall?
Dissoziative Krampfanfälle führen zu plötzlichen und unerwarteten krampfartigen Bewegungen, die sehr an epileptische Anfälle erinnern, häufig aber nicht mit Bewusstseinsverlust einhergehen.
Auch ein Zungenbiss, Verletzungen beim Sturz oder Urininkontinenz sind dabei selten.
Es ist jedoch nur durch eine medizinische Diagnostik möglich, dissoziative Krampfanfälle eindeutig von epileptischen Anfällen zu unterscheiden.
Besonders schwierig gestaltet sich die Unterscheidung zwischen einer „echten“ Epilepsie und psychogenen Anfällen beim gleichzeitigen Auftreten beider Erkrankungen.
Mögliche Ursachen einer Konversionsstörung
Eine Konversionsstörung entsteht meist durch psychische Konflikte, die sich in körperliche Symptome umwandeln (konvertieren). Beginn und Aufrechterhaltung dieser Konversionssymptome werden im Allgemeinen auf psychische Faktoren wie Stress, Erfahrungen in der Kindheit oder ein erlebtes Trauma zurückgeführt.
Allerdings sind nicht alle Betroffenen Opfer von Traumatisierung oder einer schwierigen Kindheit. Patienten mit dissoziativen Störungen verleugnen oft ihre Probleme. Probleme, die sie wiederum selbst erkennen, werden von ihnen auf die Konversionsstörung zurückgeführt.
Konversionsstörungen können auch als traumatische Folge einer schweren Diagnose auftreten und deshalb mit weiteren chronischen Erkrankungen einhergehen, was eine effektive Behandlung dieser zusätzlich erschwert. Auch Angststörungen, Depressivität und andere somatoforme Symptombildungen liegen häufig komorbid vor.
Behandlung einer Konversionsstörung
Betroffene fühlen sich häufig unverstanden und blicken meist bereits auf viele Arztbesuche zurück, die davon geprägt sind, dass medizinisch „nichts zu finden“ ist.
Im Fall einer akuten Symptomatik, die einem Schlaganfall, Epilepsie oder Migräne ähnelt, untersuchen Ärzte die betroffenen Patienten in dieser Richtung, um die Ursachen auszuschließen oder zu bestätigen. Werden körperliche Ursachen nicht gefunden, können neben psychologischen Instrumenten auch weitere Untersuchungen wie beispielsweise MRT hilfreich sein, um die Diagnose zu stellen.
Mittel der ersten Wahl zur kausalen Behandlung einer Konversionsstörung ist die Psychotherapie. Eine symptomatische medikamentöse Behandlung der körperlichen Anzeichen bringt dem Patienten allenfalls eine unterstützende Linderung, jedoch langfristig keine Heilung.
Konversionsstörungen können sich nach einigen Wochen oder Monaten zurückbilden, besonders wenn der Beginn mit einem traumatisierenden Lebensereignis verbunden ist. Um das Auftreten von Konversionsstörungen zu verhindern, ist es daher generell wichtig, traumatische Ereignisse möglichst rechtzeitig therapeutisch aufzuarbeiten. Quellen:
https://www.icd-code.de/icd/code/F44.-.html
https://opus.bibliothek.uni-wuerzburg.de/opus4-wuerzburg/frontdoor/deliver/index/docId/2063/file/schneck_seifdiss1.pdf
https://www.rosenfluh.ch/media/psychiatrie-neurologie/2014/04/KonversionsstoerungenHintergruende.pdf
Konversionsstörung in Kürze:
- Tiefgreifende psychische Störung, die sich auf körperlicher Ebene manifestiert
- Körperliche Symptome können sein: psychogenes Erbrechen, Gangstörungen, Lähmungen, Panikzustände, Anosmie, Aphasie, Krampfanfälle
- Ursache sind vermutlich nicht verarbeitete Traumata und psychische Konflikte.
- Diagnosestellung erfordert eine Zusammenarbeit von Internisten, Neurologen und Psychologen.
- Sowohl bei akuten als auch chronischen Formen der Konversionsstörung ist eine fundierte Psychotherapie das Mittel der Wahl.