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Vor allem junge Erwachsene fühlen sich einsam

Depressive Frau sitzt auf Sofa
Jeder fünfte Erwachsene fühlt sich einsam und zieht sich zurück. | Bild: nenetus / AdobeStock

Sie haben nicht immer jemanden, um etwa über Ärger im Beruf oder anderweitigen Stress zu sprechen. Sie fühlen sich oft im Stich gelassen, allgemein leer, vermissen eine richtig gute Freundin oder einen Freund: Sechs von zehn Erwachsenen in Deutschland fühlen sich einsam. Das zeigen die Ergebnisse aus der ersten Einsamkeitsstudie der Techniker Krankenkasse (TK). 

Laut „Deutschland-Barometer Depression 2023“ der Deutschen Stiftung Depressionshilfe und Suizidprävention fühlt sich etwa ein Viertel der Erwachsenen unter 70 Jahren einsam – auch dies wird von Experten als sehr hoch eingeschätzt.

Gut zu wissen: Einsam oder allein?

Ob man sich einsam oder allein fühlt, hängt sehr davon ab, wie die gegenwärtige Situation subjektiv wahrgenommen wird. Nur wer wenige Freunde oder generell wenig soziale Kontakte hat, muss sich nicht einsam fühlen. Manche Menschen genießen es auch, allein zu sein. Umgekehrt kennen viele das Gefühl von Einsamkeit in Gegenwart anderer Menschen. 

Entscheidender ist vermutlich die Qualität der sozialen Beziehungen. Wenn diese nicht den persönlichen Wünschen oder Bedürfnissen entsprechen, kann Einsamkeit entstehen.

Unter 40-Jährige leiden häufiger und mehr unter Einsamkeit

Insgesamt hat die Mehrheit der Erwachsenen in Deutschland Erfahrungen mit Einsamkeit, aber nur wenige regelmäßig. Laut der TK-Umfrage empfinden von den 58 Prozent, die Einsamkeit kennen, nur vier Prozent dieses Gefühl häufig. 13 Prozent gaben an, manchmal einsam zu sein, 41 Prozent fühlen sich der Umfrage zufolge selten einsam. Nie einsam hingegen sind 42 Prozent.

Doch entscheidend sei nicht, wie häufig man sich einsam fühlt, sondern wie sehr dieses Gefühl belastet, schreibt die TK. Wenn Menschen sich einsam fühlen, belastet das etwa jeden Vierten sehr stark oder eher stark. Besonders ausgeprägt ist dieser Anteil bei Menschen unter 40 Jahren: Einsamkeit belastet etwa ein Drittel von ihnen sehr stark oder eher stark.

Nur wenige sprechen über ihre Einsamkeit

Aber nicht jeder, der sich manchmal einsam fühle, müsse das auch als Warnzeichen für eine Depression werten, sagt der Vorstandschef der Stiftung, Ulrich Hegerl. Wenn Einsamkeit phasenweise auftrete, gehöre es zum Menschsein dazu.

Doch dies scheint in der Gesellschaft noch nicht gänzlich angekommen zu sein, denn noch immer wird Einsamkeit häufig tabuisiert – vor allem bei Älteren. Am ehesten sprechen noch die unter 40-Jährigen mit anderen darüber.

Männer sprechen dabei seltener über ihre Einsamkeit als Frauen: Während 40 Prozent der befragten Frauen immer oder manchmal darüber sprechen, tauschen sich nur 22 Prozent der Männer regelmäßig, immer oder zumindest manchmal, über ihre Einsamkeit aus. Etwa jeder dritte Mann und jede fünfte Frau verschweigen ihre Einsamkeit sogar ganz. 

Als Grund für ihr Schweigen gaben 76 Prozent dieser Befragten an, sie hätten nicht das Bedürfnis, mit jemandem darüber zu reden. 58 Prozent möchten den Angaben zufolge niemanden mit ihrer Einsamkeit belasten und mehr als die Hälfte (54 Prozent) glaubt nicht, dass ein Austausch ihnen helfen kann.

Depressive häufiger auch einsam

Noch deutlich ausgeprägter als im Bevölkerungsschnitt ist Einsamkeit laut des „Deutschland-Barometer Depression“ bei Menschen, die als depressiv diagnostiziert wurden (37 Prozent) oder die sich derzeit in einer depressiven Phase befinden (53 Prozent). 

Betroffene könnten in schweren Fällen keine Liebe oder Geborgenheit empfinden, dies sei abgeschaltet, erklärt Hegerl. Selbst mehrere Sozialkontakte pro Tag könnten an der subjektiven Einsamkeit vieler Menschen mit Depression nichts ändern.

Wenn über mehr als zwei Wochen bestimmte Symptome auftreten, kann das nach Stiftungsangaben ein Hinweis auf eine Depression sein. Maßgeblich sind vor allem gedrückte Stimmung und Interesse- oder Freudlosigkeit, ferner zum Beispiel auch Schlafstörungen, Schuldgefühle und Suizidgedanken.

Einsamkeit macht krnk

Allerdings kann chronische Einsamkeit auch krank machen. Studien belegen, dass das Schlaganfallrisiko, aber auch das Sterberisiko durch Einsamkeit erhöht wird. Das spiegelt sich auch in den Antworten der TK-Umfrage wider.

So gaben von denjenigen, die sich häufig oder manchmal einsam fühlen, 65 Prozent an, häufiger oder sogar dauerhaft unter Stress und Erschöpfung zu leiden. Bei Menschen, die selten oder nie Einsamkeit empfinden, sind es nur 36 Prozent. 

Ähnliche Unterschiede zeigen sich bei Beschwerden wie Schlappheit oder Müdigkeit sowie unausgeglichener, gedrückter Stimmung.

Einsamkeit hat mit Pandemie zugenommen

„Das Thema Einsamkeit ist durch die Pandemie sehr stark in den Vordergrund gerückt“, sagt Martin Gibson-Kunze, wissenschaftlicher Mitarbeiter beim Ende 2021 gegründeten Kompetenznetz Einsamkeit. 

Er verweist auf die Langzeitstudie Sozio-oekonomisches Panel (SOEP) mit Befragten aus rund 15.000 Haushalten. Dabei seien die Werte in der Corona-Zeit „explodiert“: von rund 14 Prozent einsamer Bevölkerung in den Jahren 2013 und 2017 auf gut 40 Prozent im Jahr 2021.

Jugendliche und junge Erwachsene seien in der Corona-Zeit am stärksten betroffen gewesen, während zuvor vor allem ältere und hochaltrige Menschen als Risikogruppen gegolten hätten. Die SOEP-Ergebnisse und das Depressionsbarometer lassen sich auch wegen unterschiedlicher Methodik nicht direkt vergleichen.

Wenig offizielle Angebote gegen Einsamkeit

Einsamkeit in ihren verschiedenen Formen und mögliche Gegenmaßnahmen seien in Deutschland relativ wenig erforscht, sagt Gibson-Kunze. „Einsamkeit wird auch nicht von allen Menschen als Problem empfunden.“ 

Genaue Kriterien, ab wann ein Mensch chronisch einsam ist, fehlten bisher – genau wie Angebote, die explizit gegen Einsamkeit helfen sollen. Andere Länder, wie etwa Großbritannien, seien da schon weiter. Quelle: dpa / mia