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Fehltage wegen psychischer Belastung nehmen zu

Die beiden großen gesetzlichen Krankenkassen AOK und Techniker Krankenkasse haben auf Basis ihrer Mitglieder in jeweils eigenen Reporten zusammengefasst, wie viele Fehltage bei Beschäftigten in Deutschland im Jahr 2025 dokumentiert worden sind. Anhand der Meldedaten könnten die Krankenkassen zudem auswerten, welche Erkrankungen besonders häufig auftraten und ob es Unterschiede bei den Geschlechtern gab.
Wie zu erwarten, stellen sowohl die AOK als auch die Techniker Krankenkasse fest, dass Atemwegserkrankungen am häufigsten zu Krankmeldungen führten. Allerdings fallen diese Beschäftigten deutlich kürzer aus als jene, die wegen einer psychischen Erkrankung krank geschrieben werden.
Bei psychischen Erkrankungen längere Fehlzeiten
Nach dem Fehlzeiten-Report 2026 des Wissenschaftlichen Instituts der AOK fehlten Beschäftigte bei psychischen Erkrankungen im Jahr 2025 im Schnitt 28,5 Tage je Fall, bei Atemwegserkrankungen waren es nur 5,7 Tage.
Ähnliche Werte meldet auch auch die Techniker Krankenkasse (TK): Psychische Störungen führten 2025 zu etwa 40 Krankentagen, bei Atemwegserkrankungen waren es rund 6 Tage.
Die Zahl der Arbeitsunfähigskeitstage wegen psychischer Erkrankungen ist in den letzten Jahren immer weiter gestiegen, während die Fehlzeiten insgesamt zuletzt wieder leicht zurückgegangen sind.
Binnen zehn Jahren stieg die Zahl der dadurch verursachten Arbeitsunfähigkeitstage bei AOK-Versicherten um knapp 42 Prozent. Die TK macht eine Rechnung über die letzten 20 Jahre auf: Demnach seien von 2006 bis 2025 Fehlzeiten unter psychischen Störungen bei Erwerbspersonen altersbereinigt um insgesamt 164 Prozent gestiegen.
Wo psychische Fehlzeiten besonders häufig sind
Die AOK hat zudem analysiert, in welchen Berufsgruppen die Diagnose psychische Störung besonders häufig aufkam. Laut Fehlzeiten-Report wurden psychisch bedingte Krankmeldungen am häufigsten im Dialogmarketing registriert, dazu gehören etwa Angestellte in Callcentern. Dahinter folgten dem Report zufolge Beschäftigte in der Haus- und Familienpflege sowie in der Altenpflege. Auch Berufe in der Kinderbetreuung lagen weit vorn.
Auch wirtschaftliche Sorgen können belasten. Beschäftigte mit Sorgen um ihre finanzielle Lage oder Angst vor Arbeitslosigkeit berichteten in einer Befragung für den Report häufiger von Niedergeschlagenheit, Wut oder Erschöpfung. WIdO-Geschäftsführer Helmut Schröder hält es für möglich, dass sich solche Belastungen bei einer angespannten Wirtschaftslage verstärken.
Insgesamt zuletzt etwas weniger Fehltage
Über alle Erkrankungen hinweg gingen die Fehlzeiten zuletzt etwas zurück. Nach AOK-Angaben waren 2025 im Schnitt 23,3 Arbeitsunfähigkeitstage je Mitglied zu verzeichnen, nach jeweils 23,9 Tagen in den beiden Jahren zuvor.
Auch die TK meldet einen leichten Rückgang von 2,8 Prozent im Vergleich zum Vorjahr (18,5 Fehltage vs. 19,1 Fehltage). Die fallbezogene Krankheitsdauer ist dagegen nahezu unverändert geblieben, heißt es im Gesundheitsreport 2026.
Psychische Fehltage: Was die Zahlen nicht zeigen
Steigende psychisch bedingte Fehlzeiten bedeuteten nicht automatisch, dass psychische Erkrankungen in der Bevölkerung im gleichen Umfang zugenommen haben, betont die Leipziger Sozialmedizinerin Steffi Riedel-Heller.
„Psychische Erkrankungen werden heute besser erkannt, offener angesprochen und häufiger behandelt. Gleichzeitig gibt es Hinweise auf reale Zunahmen psychischer Belastungen und einzelner Störungen, insbesondere bei jüngeren Menschen.“
Arbeit könne dabei nicht nur belasten. „Gute Arbeit bietet Sicherheit, Zugehörigkeit, Struktur und Selbstwirksamkeit“, sagt Riedel-Heller. Wenn psychisch bedingte Fehlzeiten verringert werden sollen, komme es deshalb auch auf die Arbeitsbedingungen und frühe Unterstützung an. Quelle: Fehlzeiten-Report 2026 AOK, Gesundheitsreport 2026 TK, dpa