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Speisesalz: Ist teures Salz wirklich gesünder?

verschiedene Salze auf verschiedenen Holzlöffeln
Salz ist nicht gleich Salz, doch welches sollte man nehmen? | Bild: Olga Kriger / AdobeStock

Salz ist für den Körper lebenswichtig. Aber welches soll es sein? Stein-Salz, Meer-Salz oder vielleicht besser Himalaya-Salz? Geht es nach bestimmten Internetanbietern, sollte man herkömmliches Kochsalz aus dem Supermarkt meiden. Stattdessen wird der Griff zu teuren Alternativen empfohlen. 

Es wird gar behauptet, Speisesalz aus dem Supermarkt sei gesundheitsschädlich. Wichtige, natürliche Mineralstoffe würden herausgewaschen und das Salz stattdessen mit schädlichen Zusatzstoffen angereichert. Stimmt das?

Gut zu wissen: Bessere Gesundheit als Werbeversprechen

Für nährwert- und gesundheitsbezogene Angaben zu Lebensmitteln wird häufig der englische Begriff „Health Claims“ verwendet. 

Health Claims weisen entweder auf Beziehungen zwischen einem Lebensmittel bzw. einem seiner Bestandteile und der Gesundheit oder auf nährwertbezogene Angaben hin wie z. B. „reich an Vitamin C“ oder „mit reduziertem Fett-Anteil“. 

Die Angaben werden durch die Health-Claims-Verordnung geregelt und durch die Europäische Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) geprüft. /cb

„Die Werbung ist immer dann unzulässig, wenn vermittelt wird, dieses Salz sei für eine gesunde Ernährung wichtig“, heißt es von der Verbraucherzentrale Berlin bezogen auf die Bewerbung von vermeintlichen Gesundheitseffekten von Salzen. 

Salze unterscheiden sich in ihrer Herkunft

Die verschiedenen Salze unterscheiden sich hauptsächlich in ihrer Herkunft. Meer-Salz wird beim Eintrocknen von Meerwasser gewonnen, Stein-Salz unterirdisch in Stollen abgebaut. „Dabei handelt es sich um Vorkommen von Urmeeren“, erklärt Judith Schryro, Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Berlin. 

Auch das als Kochsalz bekannte Speisesalz wird in Deutschland überwiegend in unterirdischen Salinen gewonnen und anschließend industriell aufbereitet. Das bedeutet, dass es gereinigt und raffiniert wird. Elemente wie Kalium, Eisen und Calcium werden ausgelöst, zurück bleibt das Natriumchlorid. Bei sogenannten Natursalzen wird auf das Raffinieren verzichtet.

„Natursalz hat keinen gesundheitlichen Vorteil gegenüber dem herkömmlichen Speisesalz“, sagt Schryro. Bei den Spurenelementen handele es sich um „verschwindend geringe Mengen“, die keinen Beitrag zu unserer Gesundheit leisteten. 

Der größte Unterschied zwischen den Salzen liege im Preis. Auch die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) teilt auf Nachfrage mit: Sogenannte Gourmetsalze seien nicht gesünder als herkömmliches Salz.

Speisesalz sollte Fluorid und Jod enthalten

„Wenn Speisesalz verwendet wird, dann sollte es mit Jod und Fluorid angereichert sein“, sagt Silke Restemeyer von der DGE. Die Jod-Versorgung der Bevölkerung in Deutschland zeige einen rückläufigen Trend. 

Eine längerfristige Unterversorgung mit dem lebenswichtigen Spurenelement könne zu Funktionsstörungen der Schilddrüse führen. Mit Fluorid angereichertes Salz hilft laut DGE, der Entstehung von Karies an den Zähnen vorzubeugen.

Mit Folsäure angereichertes Speisesalz zu konsumieren, sei dagegen nicht notwendig. Die empfohlene Folatzufuhr lasse sich auch bei erhöhtem Bedarf durch folatreiche Lebensmittel decken. Lediglich Schwangeren und Frauen mit Schwangerschaftswunsch werde die Einnahme spezieller Folsäurepräparate empfohlen

Rieselhilfen potenziell gesundheitsschädlich

Dagegen stehen den Salzen zugesetzte, sogenannte Rieselhilfen teilweise in der Kritik. Diese Stoffe sollen verhindern, dass das Salz verklumpt. Diskussionen gab es in den vergangenen Jahren zum Beispiel um die Rieselhilfe Siliziumdioxid (E 551). 

Laut Verbraucherzentrale ist die Körnergröße des Pulvers besonders gering – die Nanopartikel stünden in Verdacht, sich negativ auf die Gesundheit auszuwirken. Rieselhilfen müssen auf der Packung gekennzeichnet sein, die erlaubten Höchstmengen sind in der Europäischen Union genau festgelegt.

Was sind die Nachteile von Natursalzen?

Grundsätzlich ist es laut Verbraucherzentrale auch nicht schädlich, naturbelassene Salze zu konsumieren. In Meer-Salz seien allerdings immer wieder Spuren von Mikroplastik zu finden, sagt Schryro. 

Bei den oft als Gourmetsalzen beworbenen exotischen Salzen sei außerdem zu beachten, dass diese weniger nachhaltig seien. So habe Salz aus Pakistan oder Südamerika lange Transportwege hinter sich.

Grobkörniges Natursalz wird schnell überdosiert

Die Ernährungsexpertin sieht noch einen weiteren möglichen Nachteil von Natursalzen: Sie seien oft deutlich grobkörniger als Speisesalz. Das könne Menschen dazu verleiten, größere Mengen zu sich zu nehmen – vor allem, wenn das Salz auch noch als gesundheitsfördernd beworben werde. „Wir essen sowieso alle viel zu viel Salz“, betont Schryro. Sechs Gramm pro Tag empfiehlt die DGE.

Gut zu wissen: Salz als Sole aufgelöst trinken?

Manche Anbieter empfehlen, Salz aufgelöst als Sole zu trinken, das senke den Blutdruck.

Verbraucherschützer warnen eindringlich vor dieser Methode. Tatsächlich könne das zusätzliche Salz bei empfindlichen Menschen den Blutdruck erhöhen.

„Vor dem Nachsalzen immer zuerst das Essen probieren und Speisen mit Gewürzen und Kräutern verfeinern“, rät Ernährungswissenschaftlerin Restemeyer. So könne Salz eingespart und der Eigengeschmack der Speisen unterstrichen werden. 

„Verschiedene Untersuchungen weisen darauf hin, dass Gerichte salziger schmecken, wenn das Salz darin nicht so gut verteilt ist und die Körnergröße etwas gröber ist.“ Quelle: dpa / mia