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Pilzinfektionen effektiv behandeln: Auf die Plätze, fertig, los!

Bild: FangXiaNuo - iStockphoto.com

Im englischsprachigen Raum ist für den Fußpilz die Bezeichnung „athlete’s foot“ gebräuchlich. Dies verdeutlicht, dass Sportler eine wichtige Risikogruppe für diese Erkrankungen sind. Sportler und sportlich aktive Menschen leiden häufig unter Fußpilz (Tinea pedis), denn die Haut an ihren Füßen wird stark beansprucht. Zum einen kommt es zu einer erhöhten mechanischen Belastung der Haut, sodass sie anfälliger für Infektionen ist. Zum anderen begünstigt auch das Tragen von geschlossenen oder teilweise auch sehr engen Schuhen – zum Beispiel beim Klettern – in Kombination mit der vermehrten Schweißbildung beim Sport die Erkrankung. Darüber hinaus sind Gemeinschaftseinrichtungen wie Schwimmbäder, Saunen und Duschräume ein häufiger Übertragungsort für Pilzerkrankungen.

Erhöhtes Erkrankungsrisiko

Daneben sind vor allem Diabetiker, Patienten mit Durchblutungsstörungen sowie immunsupprimierte Personen anfällig für Pilzinfektionen. Auch ältere Personen haben ein erhöhtes Risiko zu erkranken. Als mögliche Ursache für die steigende Zahl der Infektionen im Alter gelten sowohl die Zunahme entsprechender Grunderkrankungen als auch die Abnahme der Beweglichkeit und die damit verbundenen Probleme bei der Pediküre. Zusätzlich ist die Haut bei geriatrischen Patienten dünner und anfälliger für kleine Verletzungen, auch die Wundheilung ist in der Regel verzögert. Somit ist der Eigenschutz der Haut vor pathogenen Keimen herabgesetzt.

Gesunde Füße

Damit es gar nicht erst zu einer Fußpilzinfektion kommt, sind vorbeugende Maßnahmen hilfreich. Mit einfachen Mitteln kann das Risiko zu erkranken reduziert werden. So ist gerade beim Sport auf passendes Schuhwerk zu achten, vor allem zu enge Schuhe sind zu vermeiden. Grundsätzlich sind Socken und Schuhe aus atmungsaktiven und feuchtigkeitsregulierenden Materialien zu bevorzugen. Darüber hinaus empfiehlt es sich, in öffentlichen Einrichtungen sowie Hotelzimmern Bade- beziehungsweise Hausschuhe zu tragen. Außerdem stärkt eine gute Pflege die Barrierefunktion der Haut und schützt somit vor Infektionen. Beim Waschen oder Duschen sind deshalb milde, waschaktive Substanzen zu bevorzugen, anschließend Füße sorgfältig – Zehenzwischenräume nicht vergessen – mit einem separaten Handtuch abtrocknen und gegebenenfalls mit einer pflegenden Salbe eincremen.

Dermatophyten als Auslöser

Zur Einteilung von Pilzen, die beim Menschen Infektionen auslösen können, wird das DHS-System genutzt: D steht für Dermatophyten, H für Hefepilze und S für Schimmelpilze. Letztere führen in seltenen Fällen zu systemischen Pilzinfektionen (Mykosen) beim Menschen. Auslöser des Fußpilzes sind in der Regel Dermatophyten. Insbesondere Trichophyton rubrum und Trichophyton interdigitale sind typische Erreger bei Tinea pedis. Dermatophyten sind Fadenpilze, die Kreatin für ihren Stoffwechsel nutzen und sich deshalb bevorzugt auf verhornten Körperstellen (Nägel, Haare und Haut) ausbreiten. Außerdem ist für das Wachstum der krank machenden Arten ein mittlerer Temperaturbereich, wie er an der Oberfläche der Extremitäten vorherrscht, optimal. Daraus ergibt sich, dass Dermatophyten im Gegensatz zu Hefepilzen wie Candida albicans weder Schleimhäute besiedeln noch Infektionen der inneren Organe auslösen. Neben Dermatophyten können auch Hefepilze die Haut befallen, typischerweise handelt es sich dabei um Candidaarten, die eine sogenannte Candidose verursachen.

Bläschen, aufgequollene Hautstellen und Juckreiz

Die typischen Symptome eines Fußpilzes sind Bläschen sowie weiße, aufgequollene Hautstellen. Ein weiteres häufiges Anzeichen ist ein ausgeprägter Juckreiz an den betroffenen Stellen, dieser ist jedoch nicht immer vorhanden. Gerötete und entzündete Stellen, eine übermäßige Verhornung der Haut sowie schmerzhafte Rhagaden, also Einrisse, können ebenfalls Hinweise auf eine Pilzinfektion sein.

Zwischen den Zehen

Typischerweise sitzt der Pilz in den Zehenzwischenräumen, vor allem die Stellen zwischen dem dritten und dem vierten sowie dem vierten und dem fünften Zeh sind häufig betroffen. Dabei handelt es sich um eine interdigitale Form der Erkrankung (ausgelöst durch Dermatophyten) oder eine Candidosis interdigitalis (ausgelöst durch Hefepilze). Seltener sind die Fußsohlen sowie die Fußkanten betroffen. Dahinter kann sich die squamös-hyperkeratotische Form des Fußpilzes verbergen. Typisch dafür sind entzündlich-schuppige Bereiche sowie eine starke Verhornung mit Rhagaden oder eine vesikulös-dyshidrotische Form. Sie geht einher mit kleinen Bläschen, Juckreiz und Spannungsgefühl an den Fußkanten beziehungsweise im Fußgewölbe.

Arztbesuch, ja oder nein?

In der Selbstmedikation kann ein Fußpilz behandelt werden, der zu Hautveränderungen zwischen den Zehen führt, wohingegen bei der squamös-hyperkeratotischen und der vesikulös-dyshidrotischen Form ein Besuch beim Arzt empfehlenswert ist. Darüber hinaus ist dieser auch bei rezidivierenden, chronischen Verläufen, ausgedehntem Befall oder Anzeichen für eine zusätzliche bakterielle Infektion der betroffenen Hautstelle angezeigt.

Konsequent behandeln

Fußpilz ist zwar keine lebensbedrohliche Erkrankung, dennoch ist es erforderlich, ihn konsequent zu behandeln. Zum einen leiden die Betroffenen unter Beschwerden wie Juckreiz und Schmerzen und zum anderen kommt es zu einer Ansteckung weiterer Personen, denn erkrankte Personen verlieren infizierte Hautschuppen, an denen sich wiederum Dritte anstecken können. Außerdem heilt eine Fußpilzinfektion ohne Behandlung nicht ab. Folglich ist es sinnvoll, frühzeitig Antimykotika einzusetzen, um eine weitere Ausbreitung der Infektion auf Nägel, Hände oder in den Bereich der Leiste zu verhindern. Die Auswahl einer geeigneten Darreichungsform erfolgt anhand des Hautzustands, angeboten werden neben Pasten, Cremes und Lösungen auch Sprays oder Puder.

Hartnäckig bleiben

Zur Behandlung von Erkrankungen stehen verschiedene wirksame Antimykotika zur Verfügung. Diese lassen sich anhand ihres Wirkprinzips in verschiedene Gruppen einteilen. Eine Vielzahl von Derivaten wie etwa Clotrimazol (z. B. Fungizid ratiopharm®, Canesten® Creme), Miconazol (z. B. Mykoderm® Miconazolcreme, Vobamyk ® Creme), Bifonazol (z. B. Canesten ® Extra, Bifon® Creme, Antifungol® Hexal® Extra) oder Sertaconazol (z. B. Mykosert®) umfasst die Gruppe der Azol-Antimykotika. Diese Wirkstoffe greifen in die Biosynthese von Ergosterol, einem wichtigen Bestandteil der Zellmembran von Pilzen, ein. Sie verfügen somit über ein breites Wirkspektrum, welches sowohl Dermatophyten, Hefepilze als auch Schimmelpilze abdeckt. In der Regel ist eine Therapiedauer von drei bis vier Wochen erforderlich, wobei die Anwendung je nach verwendetem Derivat ein- bis dreimal täglich erfolgt. Je lipophiler das jeweilige Derivat, desto länger die Wirkdauer beziehungsweise desto größer das Dosierungsintervall. Während Clotrimazol mehrmals täglich appliziert werden muss, reicht bei Bifonazol die einmal tägliche Anwendung aus. Das Hydroxypyridon-Derivat Ciclopirox (z. B. Selergo®) ist ein Wirkstoff, der vor allem bei Nagelpilzinfektionen, aber auch zur Therapie des Fußpilzes eingesetzt wird. Ciclopirox beeinflusst die Funktion der Zellmembran, indem er den Transport von Stoffen über diese beeinflusst. Bei Tinea pedis erfolgt die Anwendung zweimal täglich. Terbinafin (z. B. Lamisil®, Fungizid ratiopharm ® extra) ist der wichtigste Vertreter der Allylamine. Diese hemmen ebenfalls wie die Azol-Antimykotika die Ergosterol-Biosynthese, greifen jedoch an einer anderen Stelle des Ergosterol- Stoffwechsels an. Als ausgeprägt lipophiles Molekül dringt Terbinafin gut in die verhornte Haut ein und bildet ein Wirkstoffdepot aus, sodass die Anwendung über den Zeitraum von ein bis zwei Wochen ausreichend ist, bei großflächigen Infektionen kann die Anwendungszeit bis zu vier Wochen betragen. Während dieses Zeitraums wird die Creme einmal täglich aufgetragen.

Wie erkläre ich es meinem Kunden?

  • „Ohne eine Behandlung mit einer Salbe oder einem Spray gegen die Pilzinfektion werden Ihre Beschwerden nicht nachlassen.“
  • „Es ist wichtig, dass Sie die Salbe regelmäßig und vor allem ausreichend lange auftragen, da die Pilzerkrankung sonst erneut ausbricht.“
  • „Wechseln Sie Ihre Socken täglich und waschen Sie diese bei mindestens 60°C. Verwenden Sie außerdem ein separates Handtuch für Ihre Füße, auch dieses muss entsprechend heiß gewaschen werden.“
  • „Achten Sie zukünftig auf gut passendes Schuhwerk, Socken aus atmungsaktiven, saugfähigen Textilien sowie eine gute Pflege Ihrer Füße. So können Sie das Risiko für eine erneute Infektion reduzieren.“

Kurzer Prozess

Eine Besonderheit ist die Einmalanwendung von Terbinafin (z. B. Lamisil® Once). Damit die spezielle Formulierung dieser Zubereitung ihre Wirkung vollständig entfalten kann, sind die entsprechenden Anwendungshinweise (komplette Tube auftragen, beide Füße behandeln, kein Kontakt mit Wasser für 24 Stunden) unbedingt einzuhalten.

Ansteckung verhindern

Um das Ansteckungsrisiko für andere zu reduzieren, sollten betroffene Personen darauf verzichten, barfuß zu laufen. Um eine erneute Infektion zu vermeiden, sind darüber hinaus alle Textilien, die Kontakt mit den Füßen haben, insbesondere Socken und Handtücher, bei 60 °C zu waschen. Ist dies nicht möglich, ist der Zusatz eines Hygienespülers (z. B. Canesten® Hygiene Wäschespüler, Sagrotan® Wäsche Hygienespüler) sinnvoll. Außerdem empfiehlt es sich, die Schuhe zu desinfizieren. Dazu eignen sich Desinfektionssprays wie beispielsweise CalCifu® oder Myfungar ® Schuhspray.

Das Wichtigste in Kürze

  • Pilzinfektionen der Füße werden in der Regel durch Dermatophyten ausgelöst. Seltener sind sogenannte Candidosen, die durch Hefepilze verursacht werden.
  • Pilzinfektionen der Zehenzwischenräume können sehr gut mit antimykotischen Cremes oder Sprays aus der Apotheke behandelt werden.
  • Für den Therapieerfolg ist die konsequente Anwendung der Antimykotika entscheidend.
  • Um eine Reinfektion zu verhindern, sind entsprechende Hygienemaßnahmen einzuhalten, wie beispielsweise die Wäsche bei 60 °C zu waschen, in öffentlichen Einrichtungen nicht barfuß zu laufen und die Schuhe zu desinfizieren.
  • Die Mehrheit der gängigen Antimykotika hemmt die Ergosterolbiosynthese. Eine Ausnahme ist Ciclopirox. Dieses verändert den Ein- und Ausstrom essenzieller Substanzen über die Zellmembran.