Titelbild: Daniil / Adobe Stock
Rosmarin – bei Verdauungsbeschwerden und Rheuma

Auf den ersten Blick kann ein Rosmarinstrauch fast wie ein Nadelgehölz erscheinen: immergrüne, nadelförmige Blätter, verholzende Triebe und Wuchshöhen von bis zu zwei Metern.
Zur Blütezeit – je nach Sorte im Frühjahr oder Herbst – ist der Rosmarin allerdings leicht als Blütenpflanze zu identifizieren. Dann zieren diesen Lippenblütler (Lamiaceae) viele kleine, meist blassblaue Blüten. Sie entspringen in den Blattachseln und stehen in sogenannten Scheinwirteln zusammen.
Rosmarin: Nadeln geben intensives Aroma
Für kulinarische wie auch therapeutische Zwecke verwendet man vom Rosmarin die Blätter. Sie werden gern als Nadeln bezeichnet, weil sie Tannennadeln ähneln: Die bis zu vier Zentimeter langen Rosmarinblätter sind nur wenige Millimeter breit und ihre Ränder rollen sich nach unten ein. Auf der Unterseite sind die Blätter weißfilzig behaart, die Oberseite erscheint kräftig grün.
Zerreibt man Rosmarinnadeln zwischen den Fingern, verströmen sie einen intensiven, streng würzigen, campherartigen Geruch, der ein wenig an Harz erinnert. Die Blätter schmecken herb-aromatisch und können als Gewürz frisch oder getrocknet verwendet werden.
Sie passen zu vielen mediterranen Speisen, aber auch allgemein zu Kartoffeln, Suppen, Eintöpfen, Grillfleisch und mehr. Wegen seiner starken Würzkraft und des ein wenig bitteren Geschmacks dosiert man Rosmarin eher sparsam.
Rosmarin gegen Verdauungsbeschwerden
Das intensive, etwas herbe Aroma der Rosmarinblätter ist vor allem ätherischem Öl (bis zu 2,5 %) zuzuschreiben. Es enthält als Hauptkomponenten 1,8-Cineol, Campher und α-Pinen. Weitere maßgebliche Inhaltsstoffe der Rosmarinblätter sind Gerbstoffe, vor allem Rosmarinsäure, sowie bittere Diterpene wie Carnosol und Rosmanol.
Dieser Zusammensetzung an Inhaltsstoffen ist auch der therapeutische Wert von Rosmarinblättern (Rosmarini folium) zu verdanken. Die Droge wirkt spasmolytisch und verdauungsanregend durch Förderung der Gallesekrektion.
Rosmarini folium ist daher zur inneren Anwendung bei Verdauungsproblemen und leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden indiziert, zum Beispiel in Teeform (2 g pro Tasse, 2- bis 3-mal täglich). Rosmarinblätter-Tee gibt es zum Beispiel von Bombastus, Klenk und Salus.
Volksmedizinisch werden Rosmarinblätter auch zum Harntreiben und als Antiseptikum eingesetzt. Die Droge ist daher in den traditionellen pflanzlichen Harnwegstherapeutika Canephron® N und Canephron® Uno enthalten.
Rosmarinöl äußerlich bei rheumatischen Erkrankungen und Kreislaufbeschwerden
Häufiger kommt Rosmarin jedoch äußerlich zur Anwendung. Als Hautreizmittel wirkt die Droge durchblutungsfördernd und ist unterstützend bei rheumatischen Erkrankungen und zur Kreislaufanregung indiziert.
Meist wird hierfür das ätherische Öl verwendet. Rosmarinöl (Rosmarini aetheroleum) findet sich als ein Bestandteil in zahlreichen Präparaten, die bei Beschwerden des Bewegungsapparats eingesetzt werden (z. B. in Doloplant® Creme, Mobilat® Intens Muskel- und Gelenksalbe 3 %, poly-elan® Salbe, Retterspitz Äußerlich, Weleda Rosmarin-Salbe 10 %).
Rosmarinöl ist auch ein beliebter Badezusatz, um die Durchblutung zu fördern und aufzumuntern (z. B. in Spitzner Balneo Rosmarinöl-Bad, Weleda Rosmarin Aktivierungsbad). Auf eine durchblutungsfördernde und gleichzeitige krampflösende Wirkung von Rosmarinöl bauen auch einige Erkältungsbalsame in Kombination mit anderen ätherischen Ölen (z. B. Babix®-Babybalsam, Weleda Bronchialbalsam).
Rosmarin regt das Haarwachstum an
Auch in der Haut- und Haarpflege wird Rosmarinöl (oder auch Rosmarinblätterextrakt) geschätzt und in vielen Präparaten eingesetzt – z. B. in Dr. Hauschka Shampoo, Schoenenberger ExtraHair Volume Shampoo und Weleda Belebendes Haar-Tonikum Rosmarin.
Insbesondere auf der Kopfhaut angewendet, soll Rosmarinöl/-extrakt die Haarwurzeln vitalisieren und so das Haarwachstum anregen. Zudem soll es das Haar kräftigen, die Talgproduktion regulieren und aufgrund antiseptischer und antientzündlicher Eigenschaften auch gegen Schuppen wirken.
In den sozialen Medien hat sich in jüngster Zeit ein übertriebener Hype um Rosmarinöl als Wundermittel gegen Haarausfall entwickelt. Die Studie, auf die sich zumeist berufen wird, stammt aus dem Jahr 2015 und war vergleichsweise klein: An lediglich 100 männlichen Probanden wurde Rosmarinöl im Vergleich zu zweiprozentiger Minoxidil-Lösung getestet. Rosmarin erzielte dabei die gleichen Erfolge bei weniger Nebenwirkungen als der medizinische Wirkstoff.
Rosmarinduft für erfolgreiches Lernen
In der Aromatherapie spielt Rosmarinöl ebenfalls eine Rolle, vor allem wegen seiner belebenden und aktivierenden Wirkung. Rosmarinduft soll auch die Konzentrations- und Lernfähigkeit verbessern.
Auf diese Wirkung vertrauten wohl schon die alten Griechen. Schüler trugen damals Rosmarinkränze, um leichter lernen zu können.
Rosmarin im eigenen Garten
Rosmarinus officinalis ist zwar ein wärmeliebendes Gewächs, das im Mittelmeergebiet beheimatet ist. Dennoch lässt sich die Pflanze auch in unseren Breiten gut kultivieren, da es winterharte Sorten gibt.
Der Rosmarin bevorzugt einen warmen, sonnigen und möglichst windgeschützten Platz mit durchlässigem, mäßig nährstoffhaltigem Boden. Bei Topfhaltung überwintert man den Rosmarin aber am besten im Haus. Vom Rosmarin gibt es auch Hängesorten, die sich in einer Ampel auf dem Balkon gut machen.