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Was hilft bei Atemnot?

Atemnot wird medizinisch als Dyspnoe bezeichnet. Dabei ist die Atmung deutlich erschwert und es kommt zu äußerst unangenehmen Empfindungen wie Luftnot und Erstickungsangst.
Wie funktioniert eine normale Atmung?
Grundsätzlich wird unter der Atmung der Lufttransport in den Atemwegen verstanden. Sauerstoff (O2) aus der Umgebungsluft wird dabei in der Lunge gegen Kohlenstoffdioxid (CO2) aus dem Stoffwechsel der Zellen ausgetauscht. Während das Herz-Kreislauf-System den Sauerstoff von der Lunge zu den Zellen bzw. von den Zellen zur Lunge transportiert, belädt die Lunge das Blut mit O2 und atmet CO2 wieder aus.
Die Atmung wird über Atemzentren im Gehirn gesteuert. Den größten Einfluss darauf hat das Kohlenstoffdioxid. Ein Anstieg des CO2-Gehalts im Blut führt zu einer starken Anregung der Atemzentren. Auch eine Abnahme des O2-Partialdrucks und eine Abnahme des pH-Wertes im Blut steigern die Atmung.
Bei Erwachsenen läuft eine normale, unbewusste Atmung mit etwa 16 Atemzügen pro Minute ab. Bei einer Stimulierung der Atemzentren nimmt zunächst die Atemfrequenz und die Atemtiefe zu, dadurch wird die Ausscheidung von Kohlenstoffdioxid gesteigert. Bleibt die Atemnot weiter bestehen, erhöht sich vor allem die Atemfrequenz, das Atmen wird schneller und flacher und es kann nicht mehr genug Sauerstoff ins Blut aufgenommen werden. Dadurch steigt die Atemfrequenz weiter an und eine Art Teufelskreis entwickelt sich.
Betroffene werden immer kurzatmiger und das Gefühl der Luftnot verstärkt sich. Durch die aufkommende Angst werden Stresshormone ausgeschüttet und die Atemfrequenz nimmt weiter zu.
Welche Erkrankungen lösen Atemnot aus?
Atemnot kann durch verschiedene Erkrankungen ausgelöst werden, am bekanntesten dürfte das Asthma bronchiale sein. Dabei liegt eine chronische Entzündung der Atemwege vor, die zu einer Überempfindlichkeit des Bronchialsystems und zu anfallsartig auftretender Atemnot führt.
Bei einem Asthmaanfall verengen sich die Atemwege krampfartig. Die Betroffenen spüren ein Engegefühl in der Brust und starke Atemnot. Durch die auftretenden Angstgefühle wird die Luftnot weiter verstärkt.
Gut zu wissen: Bei Asthma Notfallmedikamente immer dabei haben
Bei einem akuten Asthmaanfall können schnell wirksame Beta-2-Sympathomimetika innerhalb von kurzer Zeit Abhilfe schaffen. Diese stimulieren die Beta-2-Rezeptoren in der Bronchialmuskulatur und führen über eine Abnahme der intrazellulären Ca2+-Konzentration zu einer Erschlaffung der Muskulatur in den Bronchien.
Wirkstoffe wie Salbutamol oder Fenoterol werden inhalativ appliziert und wirken innerhalb weniger Minuten.
Eine weitere überwiegend ab dem 50. Lebensjahr vorkommende Erkrankung ist die chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD). Dabei kommt es zu einer verstärkten Schleimbildung in den Atemwegen, die im weiteren Verlauf zu einer Atemwegsobstruktion führt.
Die Atemnot tritt dabei anfangs hauptsächlich bei Belastung auf, im Laufe der Erkrankung auch bei normaler Alltagstätigkeit wie Treppensteigen oder Spazierengehen. Auch bei einer Herzschwäche kann es zu Atemnot kommen. Folglich kann das Herz dann nicht mehr genug Blut in den Körperkreislauf pumpen und die Muskeln erhalten dadurch nicht mehr genügend Sauerstoff.
Was tun bei Atemnot?
Durch die Therapie der Grunderkrankung bessert sich meist auch die Atemnot deutlich, trotzdem kann ein Gefühl der Luftnot immer mal auftreten. Dann ist es wichtig, mit einer solchen Situation gut umgehen zu können. Ein entscheidender Punkt dabei ist es, Ruhe zu bewahren, auch wenn es schwerfällt.
Um die Atemnot besser kontrollierten zu können, lassen sich verschiedene Strategien anwenden.
Lippenbremse bei akutem Luftmangel
Bei zu schneller und oberflächlicher Atmung ist die Lippenbremse eine hilfreiche Atemtechnik, die im Alltag in vielen Situationen angewendet werden kann. Dabei wird durch die Nase eingeatmet und durch locker zugespitzte Lippen wieder ausgeatmet. Durch den schmalen Spalt zwischen den Lippen kann die Luft langsam entweichen. Beim Ausatmen darf nicht gepresst werden und zwischen Lippen und Wangen darf keine Spannung entstehen.
Durch die Lippenbremse wird ein bronchialer Luftdruck erzeugt. Dabei bleiben die Atemwege länger geöffnet und es gelangt mehr Luft in die Atemwege. Durch die verlängerte Ausatemphase wird zudem die Herzfrequenz nach unten reguliert und aufkommende Panik verfliegt eher. Durch die einsetzende Beruhigung kann auch die Atemnot besser in den Griff bekommen werden.
Auch hilfreich: Gewicht der Arme von den Rippen nehmen
Tritt die Atemnot nach körperlicher Belastung auf, ist eine sinnvolle Maßnahme, die Unterarme abzustützen. Dadurch lastet das Gewicht der Arme nicht mehr auf den Rippen und das Atmen fällt leichter.

Um für eine Entlastung im Stehen zu sorgen, kann es hilfreich sein, die Arme an der Wand abzustützen. Dadurch wird der Bauch frei und Betroffene können sich dann leichter auf die Atmung konzentrieren.
Zur Beruhigung der Atmung soll möglichst langsam durch die Nase ein- und wieder ausgeatmet werden. Auch in dieser Stellung kann die Technik der Lippenbremse angewendet werden.
Torwartstellung als weitere Möglichkeit
Zur Erleichterung der Atmung kann im Stehen auch die Torwartstellung eingenommen werden. Sportler nehmen diese Stellung nach großer Anstrengung häufig ein.
Der Name dieser Atemtechnik kommt daher, weil die Stellung vom Torwart eingenommen wird, während er auf einen Ballschuss wartet.

Um die Torwartstellung auszuführen, sollen sich Betroffene breitbeinig hinstellen und leicht nach vorne beugen. Die Hände werden auf die Oberschenkel gestützt, dadurch wird wie bei der Entlastung im Stehen das Gewicht der Arme von den Rippen abgegeben. Der Bauch sollte wieder möglichst frei sein.
Nun soll versucht werden, möglichst entspannt in den Bauch zu atmen, dieser sollte sich beim Einatmen deutlich nach außen wölben. Wenn möglich, wird wieder mithilfe der Lippenbremse ausgeatmet.
Entlastung der Atmung im Sitzen: Kutschersitz

Eine Kontrolle der Atmung ist auch im Sitzen möglich. Gut geeignet ist dazu der Kutschersitz.
Bei dieser atementlastenden Sitzposition werden die Ellenbogen auf den Knien aufgestützt und die Füße hüftbreit auf den Boden gestellt. Der Oberkörper wird leicht nach vorne gebeugt und die Wirbelsäule bleibt dabei gerade.
Die Atmung erfolgt wieder entspannt in den Bauch und ausgeatmet wird mit der Lippenbremse. Durch die Dehnung des Brustkorbs wird die Atemfläche vergrößert, ein tiefes Einatmen wird leichter möglich.
Bei erschwerter Atmung: Was kann noch hilfreich sein?
Bei Problemen mit der Atmung kann es entlastend sein, den Alltag gut zu organisieren und damit aufkommenden Stress zu reduzieren.
Zeiten für körperliche Aktivitäten sollten nach Möglichkeit fest eingeplant werden und können die Lebensqualität erhöhen. Nach Möglichkeit sollten zwei anstrengende Tätigkeiten nicht gleichzeitig ausgeführt werden, Sprechen ist währenddessen zu vermeiden.
Weiterhin sollte auf lockere Kleidung geachtet werden, damit kein Engegefühl im Brustkorb aufkommen kann.
Idealerweise werden die Mahlzeiten in kleinen Portionen über den Tag verteilt eingenommen. Um einem Verschlucken von Nahrung entgegenzuwirken, sollten die Speisen nicht zu trocken und auch nicht schwer zu kauen sein. Quellen:
- https://www.deutsche-apotheker-zeitung.de/news/artikel/2024/09/02/tipps-gegen-atemnot
- https://www.pari.com/de/blog/atemnot-und-panikattacken-uebungen-und-tipps-vom-physiotherapeuten/
- https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7531425/