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West-Nil-Virus: Über 1.500 Fälle in Europa

Immer mehr Krankheitserreger, die eigentlich in den Tropen oder Subtropen beheimatet sind, etablieren sich auch bei uns. Einer von ihnen ist das West-Nil-Virus. Es stammt aus Afrika, ist aber längst in verschiedenen Regionen der Welt heimisch geworden. Beim Menschen kann es das West-Nil-Fieber verursachen.
In erster Linie befällt das West-Nil-Virus Vögel. Zwischen ihnen wird es durch Stechmücken übertragen. Mücken, die sich an Vögeln infiziert haben, können das Virus aber auch auf Säugetiere und damit auch auf den Menschen übertragen – am häufigsten zwischen Juli und September.
Das Europäische Zentrum für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) meldete Ende September insgesamt 1.569 Fälle in Europa, davon rund 696 allein in Italien. Dahinter folgen Griechenlang mit 355 Fällen, dann Spanien (125), Frankreich (102) und Rumänien (91). Auffällig sei auch eine Häufung von 28 Infektionen in den Niederlanden.
Laut ECDC sind insgesamt bislang 61 Menschen an dem Virus gestorben, allein 49 davon starben in Italien und Griechenland.
Steigende Infektionsfälle mit dem West-Nil-Virus
Im Sommer steigt die Zahl der Erkrankungen an West-Nil-Fieber erfahrungsgemäß deutlich an. In Italien sind die Infektionen fast über das ganze Land verteilt, mit Häufungen um Rom, Padua und Mailand.
Die meisten Menschen bemerken die Ansteckung dem Robert Koch-Institut (RKI) zufolge nicht. Forscher gehen von einer hohen Dunkelziffer aus. In Deutschland wurden im laufenden Jahr nach RKI-Angaben vier Fälle registriert.
Seit 2019 müssen WNV-Infektionen laut Infektionsschutzgesetz gemeldet werden.
Gut zu wissen: Infektionszahlen der letzten Jahre
Die bislang gemeldeten Fälle übertreffen die in den vergangenen Jahren in Europa registrierten Zahlen deutlich: Im Gesamtjahr 2025 wurden laut ECDC 1.112 Fälle registriert, 2024 waren es insgesamt 1.436, und auch 2022 wurden mit 1.339 relativ viele Fälle dokumentiert. Rekordhalter ist jedoch nach wie vor das Jahr 2018 mit insgesamt 2.083 Fällen. Quelle: dpa
West-Nil-Fieber: Grippeähnliche Erkrankung
Nur etwa 20 Prozent der Infizierten entwickeln – nach einer 2- bis 14-tägigen Inkubationszeit – erkennbare Krankheitssymptome. Meist handelt es sich dabei um eine abrupt beginnende grippeähnliche Symptomatik (West-Nil-Fieber). Sie umfasst Fieber, Schüttelfrost, Kopf- und Rückenschmerzen, Abgeschlagenheit, Lymphknotenschwellungen und eventuell Hautausschlag.
In der Regel heilt die Erkrankung nach einigen Tagen komplikationslos aus. Circa jeder 100. Patient erkrankt jedoch schwer an einer neuroinvasiven Form des West-Nil-Fiebers. Typisch hierfür sind Hirnhaut- und Gehirnentzündung.
Sie können mit mentalen Veränderungen, Muskelschwäche und Lähmungen verbunden sein und Spätfolgen wie dauerhafte Schwäche, Gedächtnisverlust oder Verwirrtheit nach sich ziehen. Insbesondere ältere oder vorerkrankte und immungeschwächte Personen können an einer neuroinvasiven West-Nil-Erkrankung auch sterben.
Das West-Nil-Fieber lässt sich nur symptomatisch behandeln. Eine spezifische Therapie existiert nicht. Auch gibt es bisher keinen Impfstoff.
West-Nil-Virus: Infektionsschutz durch Mückenschutz
Als Hauptüberträger des West-Nil-Virus fungiert bei uns die überall verbreitete Gemeine Stechmücke (Culex pipiens). Der beste Schutz vor einer Infektion ist daher eine effektive Mückenabwehr.
Insbesondere Risikopersonen sollten also Repellents verwenden, lange Hosen und langärmelige Kleidung tragen und eventuell Insektengitter an den Fenstern anbringen. Mögliche Mückenbrutplätze im Wohnumfeld wie wassergefüllte Eimer oder Pflanzschalen gilt es zu beseitigen.
Weitere Ausbreitung des West-Nil-Virus zu befürchten
Experten rechnen damit, dass sich das West-Nil-Virus in Deutschland weiter ausbreitet und mehr Infektionsfälle auftreten. Wärmere und längere Sommer könnten die Übertragungssaison verlängern.
Infektionssaison ist bei uns vor allem der Spätsommer und bei anhaltend warmem Wetter auch der Frühherbst. In Südeuropa beobachtet man Übertragungen häufig bis in den November. Quellen:
- Robert Koch-Institut (RKI)
- European Centre for Disease Prevention and Control (ECDC)
- Südtirol News
West-Nil-Virus in Kürze
- Tropenvirus, ursprünglich aus Afrika stammend; in Süd- und Südosteuropa seit Längerem etabliert; seit einigen Jahren Nachweise auch in Deutschland
- Wird von Steckmücken hauptsächlich zwischen Vögeln übertragen; kann bei Stich aber auch Säugetiere einschließlich Menschen infizieren.
- Circa 80 Prozent der Infektionen symptomlos; in 20 Prozent grippeartiges Krankheitsbild, heilt meist folgenlos aus; in seltenen Fällen gefährliche neuroinvasive Verlaufsform mit möglicherweise bleibenden Schäden oder Tod.
- Keine spezifische Behandlungsmöglichkeit, kein Impfschutz verfügbar
- Prävention durch adäquaten Mückenschutz