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S2K-Leitlinie Handekzem : Neue Therapiemöglichkeiten beim Handekzem

Erytheme, Schmerzen, Entzündungen: Das Handekzem kann Betroffene stark einschränken. | Bild: aerogondo / AdobeStock (Symbolbild)

Das Handekzem gehört zu den häufigsten berufsbedingten Erkrankungen

Beim Handekzem handelt es sich um eine entzündliche Erkrankung der Haut, die im akuten Schub mit Erythemen, Krusten, nässenden Läsionen, Ödemen oder Bläschen im Bereich der Hände einhergeht. Hinzu kommen ein quälender Juckreiz, Brennen sowie Schmerzen. Die akute Form hat somit Auswirkungen auf zahlreiche Bereiche des alltäglichen Lebens, wobei vor allem das Berufsleben beschwerlich sein kann. Betroffen sind vor allem Menschen, die im Gesundheitssektor arbeiten, wie  PTAs in der Rezeptur der Apotheke. Außerdem Reinigungspersonal, Friseure oder Pflegepersonal. Problematisch wird es, wenn die Beschwerden sehr häufig auftreten und die akute Form in eine chronische übergeht. Das ist dann der Fall, wenn das Handekzem länger als drei Monate am Stück besteht und mindestens zweimal jährlich in Erscheinung tritt. Hautschuppungen, Hyperkeratosen sowie Fissuren gesellen sich zu den Symptomen der akuten Form.

Frauen häufiger betroffen als Männer

Auslöser für das Handekzem sind vor allem Umweltreize, die die Haut irritieren und durch häufigen Kontakt langfristig schädigen. Neben reizenden Stoffen gehören auch ein feuchtes Milieu, trockene Raumluft, starke Kälte- oder Wärmeeinwirkung sowie Rauchen und Stress zu den Triggern. Daneben gibt es eine allergische sowie atopische Form, die vor allem genetische Ursachen hat. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, wobei die Zahl der erkrankten Männer mit dem Alter steigt. Um das Handekzem zu diagnostizieren, ist eine umfangreiche Anamnese nötig. So können Auslöser bereits im Gespräch mit dem Arzt identifiziert werden. Ergänzend werden ein Epikutantest, der für die allergische Form Anwendung findet, sowie weitere mikrobiologische Untersuchungen durchgeführt. Wichtig ist auch die Abgrenzung zu anderen Hauterkrankungen wie Schuppenflechte oder der infektiösen Hand-Mund-Fuß Krankheit.

Neuer Einteilungs-Score zur Bestimmung des Schweregrades

Um die unterschiedlichen Untertypen des Handekzems zu erkennen, ist eine strukturierte Befragung nötig. Für die Schweregradeinteilung gibt es jetzt einen speziellen Score, der es möglich macht, eine spezifische Therapie und Prävention einzuleiten. Je höher der Score ausfällt, desto schwerer ist die Erkrankung bzw. desto akuter ist die Phase. Beurteilt werden die morphologische Erscheinung, die Lokalisation sowie die Intensität an den jeweiligen betroffenen Stellen.

Schweregradeinteilung nach neuer Leitlinie: 

abgeheilt 0

fast abgeheilt 1–16

moderat 17–37

schwer 38–116

sehr schwer ≥ 117

Stufe 0  – trockene Haut

Stufe 1  – leichtes Handekzem

Stufe 2 – mittelschwer bis schwer

Stufe 3 – chronisch oder wiederkehrendes mittelschweres oder schweres Handekzem

Therapie individuell nach Phase wählen

Bei allen Stufen sollen die Trigger oder auslösenden Stoffe so gut es geht gemieden werden. Präventionsmaßnahmen wie die Schulung der Mitarbeiter zum richtigen Umgang mit bestimmten Substanzen bilden die Basis der Therapie. Außerdem die Einhaltung von Hygienestandards und das Tragen von Schutzausrüstung. Eine Basispflege mit rückfettenden und juckreizlindernden Hautpflegemitteln ist das A und O, um das Handekzem dauerhaft im Zaum zu halten.

Die medikamentöse Therapie in Stufe 1 besteht aus Glucocortikoiden der Klasse 2, die kurzzeitig nur einmal täglich angewendet werden. Außerdem können Gerbstoffe und antiseptische Präparate empfohlen werden. Der Calcineurin-Inhibitor Tacrolimus in der Konzentration 0,1 % verbessert die Symptomkontrolle und kann auch proaktiv dreimal wöchentlich zur Rezidivprophylaxe eingesetzt werden. In Stufe 2 werden Corticoide der Klasse 2–3 eingesetzt. Außerdem kann eine UV-Therapie in Betracht gezogen werden. Zeigt sich keine Besserung, kann auch Alitretinoin, ein Vitamin-A-Derivat, verordnet werden. In Stufe 3 werden immunmodulierende Stoffe wie Cyclosporin angewendet. Auch der systemische Einsatz oraler Glucocortikoide ist denkbar.

Die Leitlinie führt auch neue Therapieformen auf. Erste Ergebnisse aus Phase-3-Studien deuten darauf hin, dass Biologika wie die Anti-IL-4/IL-13-Antikörper oder Januskinase-Inhibitoren (sind immunmodulierend und kommen auch bei Autoimmunerkrankungen zum Einsatz) zukünftig vielversprechende Therapieoptionen darstellen können. Bislang ist die Evidenz noch nicht ausreichend belegt, weshalb zukünftig noch weitere Untersuchungen notwendig sind. Die Verfasser der Leitlinie hoffen mit ihrer Arbeit die Lebensqualität der Betroffenen zu verbessern und die allgemeine Krankheitslast durch eine moderne verbesserte Therapie einzudämmen.