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Bakterien und Viren: Pool und Planschbecken: Wa­rum Wasserhygiene wichtig ist

zwei Kleinkinder spielen in einem aufblasbaren Pool
Damit der Badespaß in Pools und Planschbecken unbeschwert genossen werden kann, sollten einige Hygienemaßnahmen ergriffen werden. | Bild: Евгения Янцева / AdobeStock

Ein Pool oder Planschbecken im Garten oder auf der Terrasse bietet Kindern im Sommer eine einfache Möglichkeit zur Abkühlung. Damit das Baden hygienisch unbedenklich bleibt, sollte das Wasser regelmäßig gewechselt und das Becken sauber gehalten werden. 

Denn: Auch klares Wasser kann Mikroorganismen enthalten, die unter bestimmten Umständen Infektionen verursachen können.

Keime im Pool: Darmerkrankungen durch verunreinigtes Wasser

Das wohl häufigste Problem sind Darmerkrankungen. Eine jüngst veröffentlichte globale Überblicksstudie zu Schwimmbädern kommt zu dem Schluss, dass Magen-Darm-Probleme vor allem durch Parasiten aus der Gruppe der Kryptosporidien verursacht werden. Diese Einzeller, die Bauchschmerzen, leichten Durchfall und manchmal Fieber auslösen, finden sich auch manchmal in privaten Pools.

Häufiger zu finden sind wahrscheinlich Fäkalkeime wie Enterokokken und Escherichia-coli-Bakterien (E. coli). Sie kommen im Darm vieler Tiere und auch des Menschen vor. Meist sind sie harmlos, jedoch können einige E.-coli-Bakterien Übelkeit, Durchfall und Fieber verursachen.

Einige befinden sich bereits im eingelassenen Wasser, das weder aus dem Hahn noch aus dem Grundwasser steril ist – auch wenn es grundsätzlich sehr gering belastet ist. Vor allem kommen Erreger aber durch Urin und Fäkalien der badenden Menschen sowie über Tiere wie etwa über Vogelkot hinein. Manche Mikroorganismen werden auch durch die Luft herangetragen.

Warum sich Keime im Poolwasser schnell vermehren

Wir stark belastet davon auch private Pools sind, kann nicht eindeutig gesagt werden, so der Mikrobiologe Dirk Bockmühl von der Hochschule Rhein-Waal. „Es gibt schlicht und ergreifend keine Studien dazu.“ Das unterscheidet private Pools von Schwimmbädern, in denen Fachpersonal die Wasserqualität überwacht, und von natürlichen Badegewässern, deren Keimbelastung regelmäßig gemessen wird.

Klar ist aber: In vielen Pools finden Mikroorganismen ideale Voraussetzungen. Ist es warm und die Sonne scheint auf die Oberfläche, erwärmt sich das Poolwasser oft schnell, was die Vermehrung verbessert.  

„Es geht auch um Dreck“, sagt Bockmühl. „Wenn ein Kind von der Wiese kommt und dann mit den dreckigen Füßen in den Pool steigt, erfolgt ein Eintrag von organischer Substanz. Hinzu kommen solche Sachen wie Sonnencreme, das ist auch eine organische Belastung.“ Diese Nährstoffe fördern das Keimwachstum.

Poolwasser: Infektionsrisiko vor allem für Kinder

Eine Studie aus dem Jahr 2017 prüfte, wie viel Schwimmbadwasser Menschen aus Versehen schlucken. Erwachsene Schwimmer in einem Bad in den USA nahmen durchschnittlich zehn Milliliter pro Stunde auf, Kinder etwa viermal so viel. Ein Kind schluckte sogar mehr als einen Viertelliter.

Damit sich jemand infiziert, sei eine bestimmte Dosis nötig, erklärt Bockmühl. Kühlten sich Erwachsene in einem Pool ab, tränken sie das Wasser eher nicht in großen Mengen. „Geht es aber um kleine Kinder, die darin spielen, kann durchaus ein Risiko bestehen.“ Auch weil bei ihnen eine gleich große Menge eher zu einer Erkrankung führen könne.

Außerdem gibt es noch eine weitere häufige bakterielle Infektion durch Pools: die Gehörgangsentzündung. Sie wird durch Wasser verursacht, das sich längere Zeit im äußeren Gehörgang befindet und dort den schützenden Ohrschmalz ausschwemmt. 

„Wir sehen seit Beginn der Hitzewelle vermehrt Gehörgangsentzündungen bei Kindern, die viel getaucht sind“, erklärt Tanja Brunnert, Sprecherin des Berufsverbandes der Kinder- und Jugendärzt*innen (bvkj). Übertragbar ist diese Infektion aber nicht.

Vorsicht: Trübung durch Keime im Pool

Das Poolwasser kann trotz klarer Optik belastet sein. Klares Wasser bedeutet nicht zwangsläufig, dass keine potenziell krankmachenden Mikroorganismen darin vorhanden sind, sagt Bockmühl. Mit der Zeit und durch wiederholte Nutzung können durch den Eintrag von Hautpartikeln, organischen Rückständen und Fäkalkeimen Mikroorganismen ins Wasser gelangen und sich vermehren. 

Auch Insekten, Haare und Rückstände von Sonnenschutzmitteln können als Nährstoffquelle dienen und das Wachstum von Mikroorganismen begünstigen.

So können krankmachende Keime auch in privaten Pools beispielsweise Blasen- und Bindehautentzündungen auslösen. Der Umwelthygieniker Professor Dr. rer. nat. Thorsten Kuczius vom Universitätsklinikum Münster rät deshalb, das Wasser regelmäßig auf Trübung und Schmutzansammlung zu untersuchen sowie auf die Rutschfestigkeit der Pooloberfläche zu achten.

Poolabdeckung und Chlor gegen Schmutz- und Keimeintrag

Das Umweltbundesamt empfiehlt, das Wasser mit einer Poolabdeckung vor Verschmutzung und Keimeintrag von außen zu schützen. Grobe Bestandteile wie Blätter und Insekten sollten mit einem Laubkescher abgenommen werden. Außerdem sollten die Wände im Pool mit Bürsten geschrubbt und das Wasser filtriert werden. 

Um den Keimgehalt im Becken nachhaltig niedrig zu halten, biete sich der Einsatz von Desinfektionsmitteln wie Chlor an. Hier kommt es laut Experten auf die richtige Dosierung an. Das Wasser müsse einen neutralen pH-Wert haben. 

Trotz Chlorierung existieren Bakterien und Algen im Poolwasser. Bei Erwärmung des Wassers können sie sich gut vermehren. Das Resultat ist ein glitschiger Biofilm. Der Experte Kuczius rät dann zu einer Oberflächenreinigung mit einem Teilwasserwechsel und der Zugabe von neuem Desinfektionsmittel. Mithilfe von Bodensaugern lasse sich der Biofilm schonend entfernen. 

Übrigens ist es empfehlenswert, sich auch vor dem Baden im eigenen Pool abzuduschen. So lässt sich der Keimeintrag reduzieren.

Wasser in Planschbecken regelmäßig wechseln

Auch im Kinderplanschbecken hinterlassen Babys und Kleinkinder Keime. Eine Infektionsgefahr nimmt zu, wenn auch noch Hunde mit ins Wasser springen.

Umwelthygiene-Fachmann Kuczius mahnt, das Wasser im Planschbecken jeden Tag, spätestens aber jeden zweiten Tag zu wechseln. Das Wasser sollte dabei komplett erneuert werden. 

Übrigens kann das Planschbeckenwasser trotz Schmutzpartikeln und Keimen sehr gut zum Gartengießen verwendet werden. Dagegen darf das mit Desinfektionsmitteln versehene Poolwasser nicht ausgebracht werden, sondern muss über die Kanalisation entsorgt werden. Es sei denn, der Chlorgehalt beträgt weniger als 0,3 Milligramm pro Liter. Quelle: dpa