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Was ist eigentlich eine Steißbeinfistel?

Von Steißbeinfisteln sind vor allem Männer betroffen. Starke Körperbehaarung und Schweißbildung begünstigen zudem die Entstehung. | Bild: photo 5000 / Adobe Stock

Nicht ganz korrekt

Der Begriff „Steißbeinfistel“ ist ein wenig irreführend. Die Erkrankung hat nichts direkt mit dem Steißbein zu tun. Sie tritt lediglich in der Steißbeingegend auf, überwiegend in der Gesäßfalte. Es kommt dort zu einer Entzündung im Unterhautfettgewebe.

Auslöser: eingewachsene Haare

Fachsprachlich heißt die Steißbeinfistel „Sinus pilonidalis“ oder „Pilonidalsinus“. Diese lateinische Bezeichnung verrät einiges über die häufigste Pathogenese: „Sinus“ steht für Hohlraum, „nidus“ bedeutet Nest und „pilus“ Haar. Abgebrochene oder umgeknickte Haare, die sich in der Gesäßfalte befinden, bohren sich infolge der dortigen Reibebewegungen in die Haut hinein. Die Hornschuppen der Haare wirken wie Widerhaken und führen dazu, dass die Haare immer tiefer bis ins Unterhautgewebe vordringen. Dort entwickelt sich eine Fremdkörperentzündung mit Bildung von Hohlräumen und Gängen. Starke Behaarung und Schweißbildung begünstigen offenbar die Entstehung einer Steißbeinfistel. Übergewicht und häufiges Sitzen gelten als zusätzliche Risikofaktoren.

Drei Formen: symptomlos, akut oder chronisch

Drei verschiedene Erscheinungsformen von Pilonidalsinus werden unterschieden. Die asymptomatische Form verursacht keine Beschwerden. Man erkennt sie lediglich an den Pori (englisch: pits). Das sind kleine Öffnungen, die beim Eindringen der Haare in der Gesäßfalte entstehen. Sie werden nur zufällig diagnostiziert, sind aber nicht behandlungsbedürftig. Bei der akuten Form einer Steißbeinfistel schwillt das Gewebe an und kann stark schmerzen. Es bildet sich Eiter. Dieser Abszess kann sich spontan von selbst entleeren. Häufig muss aber operativ eingegriffen werden. Wird ein Sinus pilonidalis chronisch, kommt es ständig oder zeitweise zu flüssig-eitrigen und blutigen Absonderungen. Dieses Stadium heilt kaum noch spontan. Daher muss operativ ausgeschnitten werden.

Zunehmende Häufigkeit

In den vergangenen Jahrzehnten sind Steißbeinfisteln aus unbekannten Gründen häufiger geworden. Pro 100.000 Einwohner treten ungefähr 50 Fälle auf. Die Erkrankung betrifft Männer – vor allem, wenn sie stark behaart sind – wesentlich häufiger als Frauen. Meist beginnt die Fistelbildung im Alter unter 40 Jahren. Um eine Steißbeinfistel zu vermeiden, raten Proktologen häufig dazu, Haare im Steißbeinbereich dauerhaft entfernen zu lassen.

Steißbeinfistel in Kürze

  • Medizinische Bezeichnung: Sinus pilonidalis oder Pilonidalsinus. Akute oder chronische Entzündung im Unterhautfettgewebe, zumeist in der Gesäßfalte (also in der Steißbeingegend).
  • Meist verursacht durch eingedrungene Haare.
  • Symptomatik: Schwellung, Abszessbildung, Schmerzen, im chronischen Stadium blutig-eitrige Absonderungen.
  • Spontane Abheilung sehr selten, meist operative Fistelausschneidung erforderlich.

Quelle: S3-Leitlinie Sinus pilonidalis Patientenfassung 2020; Deutsches Ärzteblatt 1-2/2019