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PTA-Schülerin verliert den Kampf gegen den Krebs

Durch eine Typisierungsaktion der DKMS wurde Lisa in der PTA-Community bekannt. Vor einer Woche hat sie den Kampf gegen den Krebs verloren. | Bilder: privat / DKMS

Im Oktober 2019 war Lisa, die gerade ihren praktischen Teil der PTA-Ausbildung begonnen hatte, an einem grippalen Infekt erkrankt. Zusätzlich hatte sich ihr Nagelbett entzündet, weshalb die damals 21-Jährige zum Arzt ging. Dieser ließ vorsichtshalber ein Blutbild erstellen und konnte so feststellen, dass die Zahl ihrer Leukozyten stark erhöht war. Im Krankenhaus, in das sie unverzüglich gehen sollte, erfuhr sie dann, dass sie an akuter myeloischer Leukämie (AML) erkrankt ist und die nächsten Wochen in der Klinik verbringen sollte.

Was ist AML?

Das Krankheitsbild einer chronischen myeloischen Leukämie (AML) wurde erstmals 1845 von Rudolf Virchow beschrieben. Die AML ist eine maligne (bösartige) Erkrankung des blutbildenden Systems. Bei dieser wird eine genetisch veränderte Zelle durch die Abwehrmechanismen des Körpers nicht entdeckt und kann sich daher unkontrolliert vermehren. Das führt zur Bildung defekter weißer Blutkörperchen, welche sich im Knochenmark ausbreiten und dort die intakten Zellen verdrängen. Betroffene Patienten fühlen sich oft schlapp, werden häufig von Infekten geplagt, sind blass und verlieren ungewollt an Körpergewicht. Die AML ist eine seltene Erkrankung. In Deutschland treten etwa 3.600 Neuerkrankungen pro Jahr auf. Sie ist überwiegend eine Erkrankung des höheren Lebensalters und macht etwa 80 % aller akuten Leukämien bei Erwachsenen aus. Männer sind etwas häufiger betroffen als Frauen.

Typisierungsaktion 2019 im bayerischen Pöttmes

Der Bruder von Lisa organisierte gemeinsam mit Freunden Ende 2019 eine große DKMS-Typisierungsaktion für seine Schwester. Dadurch wurde sie in der PTA-Community bekannt und erfuhr viel Unterstützung. Die Familie hatte gehofft, dass sich möglichst viele Menschen bei der DKMS (Deutsche Knochenmarkspenderdatei) als mögliche Stammzellenspender registrieren lassen und ein passender Spender für Lisa darunter ist. Auch viele PTA-Kolleginnen aus ganz Deutschland ließen sich typisieren. 

Das Team von PTAheute.de stand zuletzt Ende 2020 mit Lisa in Kontakt. Damals erzählte sie uns von einem Rückfall, der sie zurück in die Klinik und zur Chemotherapie führte. Sie berichtete uns auch von der Typisierungsaktion, die sie per Facetime und übers Radio verfolgt hatte. Leider wurde bei der groß angelegten Aktion kein passender Spender gefunden. Es hatten sich 1.473 Menschen registriert. Laut DKMS konnte einer von diesen Menschen einem anderen Blutkrebspatienten eine zweite Chance auf Leben schenken. Lisa bekam letztendlich eine Stammzellspende von ihrem Vater. Außerdem wurde sie seitdem in mehreren Zyklen mit Zytostatika behandelt.

Als Krebspatientin durch die Corona-Pandemie

Als das SARS-CoV-2-Virus sich ausbreitete, erzählte Lisa im September 2020, musste sich ihre Familie und sie selbst isolieren, um Lisa nicht zu gefährden. Auch die Krankenhausaufenthalte waren für die angehende PTA nicht einfach, weil sie durch die strengen Besuchsregelungen nur selten Kontakt haben durfte. Nachdem sie wieder zuhause war, berichtete sie von einer Stabilisierung ihrer Erkrankung und blickte noch positiv in die Zukunft. Sie wolle, sobald es möglich sei, ihr Praktikum nachholen, die Apothekenpraxis-Prüfung absolvieren und als PTA arbeiten – vielleicht, so Lisa damals – sogar in einer Apotheke mit Zytostatika-Labor.

Kein Lebensretter für Lisa

Am gestrigen Donnerstag veröffentlichte die DKMS die Nachricht auf der Social-Media-Plattform Instagram, dass Lisa bereits vor einer Woche verstorben sei. „Lisa hat den Kampf gegen Blutkrebs verloren. Vor einer Woche ist sie gestorben. Mit gerade einmal 23 Jahren. Und warum? Weil auf der ganzen Welt kein passender Stammzellspender gefunden werden konnte“, heißt es in der Meldung. Lisa wünsche sich, dass sich Menschen weiterhin typisieren lassen – auch während der Corona-Pandemie. Damit sich womöglich für andere, die die Krankheit ereilt, der ideale Spender finden ließe. Damit ihr Tod nicht ganz umsonst war.

Registrierung bei der DKMS

Lisas „letzter Wunsch“ war es, dass sich möglichst viele Menschen auch während der Corona-Pandemie typisieren lassen. Die Registrierung als Stammzellspender bei der DKMS funktioniert ganz einfach. Zunächst muss man online unter www.dkms.de ein Registrierungsset bestellen und einige einfache Fragen beantworten. Wenn das Set angekommen ist, wird der Abstrich in der Wangentasche gemacht und das Set an die DKMS zurückgeschickt. Der Wangenabstrich gibt Aufschluss darüber, ob die Gewebemerkmale zu denen einer Patientin oder eines Patienten passen. Danach wird man in die Datei aufgenommen und ist als potenzieller Spender für Patienten weltweit zu finden. 

Die PTAheute-Onlineredaktion ist zutiefst getroffen von dieser Nachricht. Danke Lisa, dass du uns hast teilhaben lassen. Gerne kommen wir Lisas Wunsch deshalb nach, auf die DKMS aufmerksam zu machen. Unser herzliches Beileid geht an Lisas Familie, ihren Bruder, ihre Eltern und ihre Freunde. Wir wünschen Ihnen viel Kraft und denken an Sie!