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Was ist eigentlich das „Steakhouse-Syndrom“?

Mann fasst sich an Hals
„Steakhouse-Syndrom“ ist eine immunvermittelte entzündliche Erkrankung der Speiseröhre. | Bild: staras / AdobeStock

Schluckstörungen (Dysphagie), die vor allem beim Verzehr fester Nahrung auftreten, sind charakteristisch für die eosinophile Ösophagitis. Betroffene beschreiben häufig ein Kloßgefühl im Hals und Schmerzen beim Schlucken. Manchmal kann sich die Nahrung sogar in der Speiseröhre festsetzen. 

Wie bei einer Refluxkrankheit treten auch Schmerzen hinter dem Brustbein (Sodbrennen) auf. Die Betroffenen sind zum Teil erheblich in ihrer Lebensqualität beeinträchtigt. Oft meiden sie feste Nahrung.

Nahrungsmittelallergene als Auslöser

Die eosinophile Ösophagitis ist zwar selten, wird aber seit einigen Jahren häufiger festgestellt. In Deutschland leidet circa einer von 3.000 Einwohnern unter der chronisch entzündlichen Erkrankung. Es sind deutlich mehr Männer als Frauen betroffen. 

Auffallend ist, dass viele von ihnen eine allergische Veranlagung haben. Auch die eosinophile Ösophagitis gilt als allergisch bedingt. Man führt sie auf eine spezielle Form von Nahrungsmittelallergie zurück. Oral aufgenommene Allergene scheinen die Entzündungsreaktion in der Speiseröhre auszulösen.

Mehr Eosinophile in der Schleimhaut

Die Diagnose der eosinophilen Speiseröhrenentzündung erfolgt mittels Speiseröhrenspiegelung sowie Entnahme von Gewebeproben. Typischerweise findet sich in der Schleimhaut der Speiseröhre eine Veränderung der weißen Blutkörperchen: Die Zahl der eosinophilen Granulozyten ist erhöht.

Zur Erinnerung: Was sind Granulozyten?

Granulozyten sind spezielle Immunzellen, die zur Gruppe der Leukozyten (weiße Blutkörperchen) zählen. Die Bezeichnung eosinophil, neutrophil und basophil ergibt sich aus dem Anfärbeverhalten der Granulozyten in der sogenannten Pappenheim-Färbung. Die im Zytoplasma der Granulozyten schwimmenden Vesikel (Granula) reagieren je nach Zelltyp unterschiedlich.

  • Eosinophile Granulozyten lassen sich mit dem sauren Farbstoff Eosin orange-rot anfärben.
  • Basophile Granulozyten erscheinen nach Anfärben mit basischen Farbstoffen dunkelviolett.
  • Neutrophile Granulozyten zeigen eine nur schwache Affinität zu den Farbstoffen und erscheinen in einem hellvioletten Farbton.

Da die Eosinophilen auch beim allergischen Asthma eine wichtige Rolle spielen, wird die eosinophile Ösophagitis bisweilen „Asthma der Speiseröhre“ genannt. Häufig wird die Erkrankung erst spät entdeckt. Dann ist die Speiseröhre möglicherweise schon deutlich verengt und vernarbt.

Welche Behandlungsmöglichkeiten gibt es?

Therapeutisch wirksam sind lokal angewandte Kortikoide. Seit circa eineinhalb Jahren steht sogar ein spezifisches Arzneimittel zur Verfügung – eine Budesonid-Schmelztablette (Jorveza®). 

Außerdem wird eine allergenarme Diät empfohlen ohne Kuhmilch, Weizen, Nüsse, Soja, Eier und Meeresfrüchte. 

Eine weitere Behandlungsmöglichkeit besteht darin, die Speiseröhre mit einem Ballonkatheter zu dehnen. Quellen: DAZ Nr. 24/2018; https://www.aerztezeitung.de/; Falk Foundation e.V.; MSD Manual 

Eosinophile Ösophagitis in Kürze

  • Chronische, allergieartige Speiseröhrenentzündung. Hauptsymptom Schluckstörung, tritt insbesondere beim Essen von Fleisch auf („Steakhouse-Syndrom“). Nahrung kann im Hals stecken bleiben. 
  • Diagnosekriterium: erhöhte Zahl an eosinophilen Granulozyten in Schleimhaut der Speiseröhre. 
  • Männer deutlich häufiger betroffen als Frauen. 
  • Unbehandelt Verengung und Vernarbung der Speiseröhre. 
  • Behandlung mit lokal wirksamen Kortikoiden, allergenarmer Ernährung, evtl. Speiseröhrendehnung.