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Diabetes: Risiko steigt durch frühe Menopause

Junge Frau sitzt vor Sofa und misst ihren Blutzuckerspiegel
Beginnen die Wechseljahre besonders zeitig, kann sich das auf den Blutzucker auswirken. | Bild: dragonstock / AdobeStock

Im Januar 2025 wurde eine Studie einer südkoreanischen Forschergruppe vom Korea University College of Medicine veröffentlicht, die vermuten lässt: Frauen, die vorzeitig in die Menopause kommen, haben ein höheres Risiko für Typ-2-Diabetes als Frauen, bei denen die Wechseljahre später beginnen. 

Aufgrund ihrer Ergebnisse sprechen sich die Forschenden dafür aus, dass die vorzeitige Menopause als Risikofaktor für Diabetes (Typ 2) im Rahmen der Gesundheitsvorsorge berücksichtigt werden sollte.

Gut zu wissen: Was versteht man unter vorzeitiger Menopause?

Mit vorzeitiger Menopause meinen Mediziner Wechseljahre, die vor dem 40. Lebensjahr eintreten. Die regelmäßige Menstruation bleibt aus, das Hormonverhältnis ändert sich. Circa 1 Prozent aller Frauen sind davon betroffen. 

Treten die Wechseljahre vorzeitig ein, können die veränderten Hormonkonzentrationen das Risiko für Osteoporose und Herz-Kreislauf-Erkrankungen steigern sowie Stoffwechselprozesse negativ beeinflussen.  

Die Ursache für ein frühzeitiges Eintreten der Menopause ist oft unklar. Genetik sowie der schon im Mutterleib angelegte Eizellvorrat der Frau spielen eine entscheidende Rolle, wann die Menopause eintritt.   

Neben angeborenen Faktoren können Rauchen, OPs im Unterbauchbereich oder auch eine Chemotherapie die Eizellreserve negativ beeinflussen, was zu einem früheren Eintritt der Wechseljahre führen kann. 

Selten sind auch Autoimmunerkrankungen (auch Typ-1-Diabetes), Virusinfektionen (z. B. Mumps) oder Stoffwechselerkrankungen dafür verantwortlich.

Wie hängen Östrogen und Diabetes zusammen?

Es ist schon länger bekannt, dass Östrogene sich positiv auf das Blutzuckergeschehen auswirken. Nun sinkt der Östrogenspiegel während der Menopause ab und bleibt danach lebenslang erniedrigt. Frauen in und nach den Wechseljahren haben demnach deutlich weniger Östrogen im Körper als vor der Menopause. 

Nicht nur die typischen Wechseljahresbeschwerden resultieren daraus, sondern auch die Regulierung des Zuckerstoffwechsels ist an Östrogen geknüpft. Denn Östrogen wirkt auf Glucagon und GLP-1 und verbessert die Insulinsensitivität. Progesteron dagegen scheint die Insulinresistenz zu fördern. 

Frauen, die während der Wechseljahre eine Hormonersatztherapie (HRT) erhalten (Östrogene solo oder als Kombination mit Gestagenen) und somit künstlich zugeführte Östrogene bekommen, haben ein geringeres Risiko an einem Typ-2-Diabetes zu erkranken. Besonders – so die südkoreanische Studie – wenn die Wechseljahre sehr zeitig einsetzen. 

Groß angelegte Studie mit postmenopausalen Frauen

In die Kohortenstudie wurden die Daten von rund 1,1 Millionen postmenopausalen Frauen (das mittlere Alter betrug 61,2 Jahre) einbezogen, die zum Beobachtungsstart keinen Typ-2-Diabetes hatten. Die Daten stammten aus nationalen Gesundheitsregistern. Es wurden Diagnosen, Laborergebnisse und gesundheitsbezogene Fragebögen ausgewertet. 

Der Beobachtungszeitraum erstreckte sich von 2009 bis 2024, wenn bei Probandinnen nicht vor Ende des Beobachtungszeitraums das Auftreten eines Diabetes Typ 2 festgestellt wurde, denn dieser war das primäre Endziel. Die mittlere Nachbeobachtungszeit betrug 8,4 Jahre.

Die Probandinnen wurden bezogen auf das Alter beim Eintritt in die Wechseljahre in verschiedene Gruppen eingeteilt: < 40 Jahre, 40 bis 44, 45 bis 49 und älter als 50 Jahre. Wobei besonders die Gruppe der unter 40-Jährigen relevant war, da eine vorzeitige Menopause der Definition nach in dieser Altersklasse auftritt und auch in der Studie so definiert wurde. 

Zusätzlich wurden in die Analyse eine Vielzahl von Faktoren, darunter soziodemografische Daten, Lebensstil, BMI, kardiometabolische Faktoren, psychiatrische Gesundheitsfaktoren sowie Faktoren rund um Kinderwunsch, Schwangerschaften und Stillzeiten, einbezogen.  

Vorzeitige Menopause: Welche Faktoren erhöhen Diabetesrisiko?

Von den 1,1 Millionen postmenopausalen Frauen, die in die Studie einbezogen wurden, erhielten 10,1 % im Verlauf die Diagnose Typ-2-Diabetes. Dabei war das Risiko für einen Diabetes bei den Frauen mit vorzeitiger Menopause (< 40 Jahren, HR (Hazard Ratio) = 1,13) und bei den Frauen im Alter zwischen 40 und 44 Jahren (HR = 1,03) signifikant erhöht im Vergleich zu den Frauen, die später in die Menopause gekommen waren. 

Weitere Faktoren, die in die Untersuchungen eingeschlossen wurden, schienen den Zusammenhang zwischen vorzeitiger Menopause und Typ-2-Diabetes ebenso zu beeinflussen. 

So erhöhte der BMI – sowohl zu niedrig (< 18,5 = Untergewicht) als auch zu hoch (> 30 = Adipositas Grad 1) das Risiko zusätzlich. Die HR lag hier bei 1,54 beziehungsweise 1,14. Das Interessante daran: Das Risiko bei adipösen Patientinnen war sogar kleiner als bei untergewichtigen. 

Die Forschenden erklären das so: Übergewichtige Menschen weisen höhere Östrogen-Serumkonzentrationen auf. Das könnte Diabetes-protektiv wirken, was die Studienergebnisse unterstreichen würde.

Auch depressive Vorerkrankungen können den Effekt des erhöhten Diabetesrisikos verstärken, wahrscheinlich durch ungesündere, hochkalorische Ernährung und weniger körperliche Aktivität, vermuten die Autoren. 

Bei den Frauen, die ohnehin eine prädiabetische Stoffwechsellage aufwiesen, war das Risiko für einen manifesten Diabetes dagegen geringer als bei normoglykämischen Probandinnen. Das liegt wahrscheinlich daran, dass das Auftreten eines Typ-2-Diabetes bei Prädiabetikern nicht so stark auffällt – sie fliegen sozusagen eher unter dem Radar.

Nicht ausschlaggebend scheinen Parameter wie Sozialstruktur, Bluthochdruck, Blutfettwerte, Nierenerkrankungen zu sein, genauso wie Faktoren, die die Fertilität, Verhütung und Mutterschaft betreffen (z. B. Stillen). 

Auch die ethnische Herkunft scheint gemäß den Studienergebnissen keinen Einfluss auf den Zusammenhang zwischen dem Alter beim Beginn des Klimakteriums und der Entstehung eines Typ-2-Diabetes zu haben.

Präventionsmaßnahmen für postmenopausale Frauen nötig

Die Ergebnisse unterstreichen, dass sich Östrogene protektiv auf den Zuckerstoffwechsel auswirken, denn die Hormone verbessern die Insulinempfindlichkeit und die Blutzuckerregulation. 

Außerdem führen die Forschenden an, dass frühe Wechseljahre mit oxidativem Stress, einem beschleunigten Alterungsprozess und somit mit vermehrten DNA-Schäden einhergehen können, was wiederum zu metabolischen Dysfunktionen wie Typ-2-Diabetes beitragen kann. 

Angesichts dessen, was man über den Einfluss von Östrogenen auf den Zuckerstoffwechsel in den vergangenen Jahren herausgefunden hat, sollten präventive Maßnahmen in Betracht gezogen werden, um ein Auftreten eines Diabetes (Typ 2) bei postmenopausalen Frauen möglichst zu verhindern. 

Die Forschergruppe empfiehlt, dass eine vorzeitige Menopause auch als Risikofaktor für Typ-2-Diabetes in den aktuellen Leitlinien zur Diabetesvorsorge aufgenommen wird. Zudem sollte das Screening auf Diabetes Typ 2 bei postmenopausalen Frauen, insbesondere bei jenen mit vorzeitiger Menopause, intensiviert werden. Quellen
https://www.aerztezeitung.de/Medizin/Fruehere-Menopause-bedingt-wohl-hoeheres-Diabetesrisiko-455906.html

https://jamanetwork.com/journals/jamanetworkopen/fullarticle/2829415?guestAccessKey=f2f6881b-a932-4614-9462-ce472b9f5cc1

https://www.menopause-gesellschaft.de/vorzeitige-wechseljahre-thema

https://www.diabetesstiftung.de/files/paragraph/fileupload/dds_diabetes_im_wechsel.pdf