Aktuelles

In der Apotheke werden PTA mit den unterschiedlichsten Themen konfrontiert. Lesen Sie hier die tagesaktuellen News aus den Bereichen Pharmazie, Forschung, Ernährung, Gesundheit und vielem mehr. Bleiben Sie informiert, um Ihre Kunden stets kompetent zu beraten.

6 min merken gemerkt Artikel drucken

Herzstillstand: So funktioniert die Herzdruckmassage

Frau führt Herzdruckmassage bei einem Mann durch
Eine Herzdruckmassage kann bei einem plötzlichen Herzstillstand Leben retten. | Bild: pixelaway / AdobeStock

Ob zu Hause, bei der Arbeit oder beim Sport – ein Herz-Kreislauf-Stillstand kann jederzeit und unerwartet eintreten. Im vergangenen Jahr erlitten in Deutschland jeden Tag etwa 350 Menschen einen Herz-Kreislauf-Stillstand außerhalb eines Krankenhauses. 

Bei rund 65.000 Betroffenen leitete der Rettungsdienst Wiederbelebungsmaßnahmen ein. Zwei Drittel von ihnen waren Männer (65,5 Prozent), gut ein Drittel Frauen (34,5 Prozent). Das Durchschnittsalter der Betroffenen lag bei 69,3 Jahren. Knapp 46 Prozent der Betroffenen waren jünger als 70 Jahre, während der Anteil der über 80-Jährigen bei 32,1 Prozent lag. Knapp 27 Prozent hatten keine oder nur leichte Vorerkrankungen.

Die meisten Herz-Kreislauf-Stillstände ereigneten sich auch 2025 im häuslichen Umfeld: Rund 70 Prozent der Reanimationsbehandlungen fanden in der Wohnung oder im Haus der Betroffenen statt. Nur etwa ein Fünftel der Fälle trat an Arbeitsplätzen, in Schulen, Sporteinrichtungen, Arztpraxen oder im öffentlichen Raum auf. Gerade außerhalb des häuslichen Umfelds waren die Überlebenschancen jedoch am höchsten.

Diese Zahlen gehen aus dem Außerklinischen Jahresbericht 2025 des Deutschen Reanimationsregisters hervor, der in Nürnberg vorgelegt wurde.

Wiederbelebung wird oft durch Laien gestartet

In mehr als der Hälfte der Fälle hatten bereits vor dem Eintreffen des Rettungsdienstes Laien am Ort des Geschehens mit der Wiederbelebung begonnen – häufig mit telefonischer Unterstützung durch das Personal der Rettungsleitstellen. 

In mehr als zwölf Prozent der Fälle waren Ersthelfer und sogenannte First Responder beteiligt. Dabei handelt es sich um ehrenamtlich Tätige mit speziellen Kenntnissen, die schnell am Ort des Geschehens eintreffen können.

„Unsere Daten zeigen, dass die Rettungskette heute auf deutlich mehr Schultern ruht als noch vor wenigen Jahren“, sagte der Sprecher des Deutschen Reanimationsregisters, Jan-Thorsten Gräsner. „Gerade in der telefonischen Reanimationsanleitung und im Ausbau alarmierter Ersthelfersysteme liegt weiter großes Potenzial, damit bis zum Eintreffen von Rettungsdienst und Notarzt möglichst früh mit der Wiederbelebung begonnen wird, denn jede Minute zählt“, betonte er. 

Der Einsatz von Defibrillatoren sei noch wenig ausgeprägt und könne deutlich ausgebaut werden.

Ursache meist unerkannte Herzerkrankungen

Die Ursachen für einen plötzlichen Herzstillstand bei vermeintlich gesunden Menschen sind vielfältig. Meist ist der plötzliche Herzstillstand die Folge eines anhaltenden Kammerflimmerns. Bei dieser schweren Herzrhythmusstörung wird kein ausreichender Blutfluss aufrechterhalten, sodass Betroffene plötzlich das Bewusstsein verlieren. 

Bei unter 35-Jährigen liegt häufig eine unentdeckte kardiovaskuläre Erkrankung zugrunde, etwa eine vorzeitige Arteriosklerose der Herzkranzgefäße, eine Herzmuskelentzündung oder ein angeborener Fehlverlauf der Herzkranzarterien. 

Auch virale oder bakterielle Infekte können eine Herzmuskelentzündung verursachen. Experten warnen deshalb davor, nach einer vermeintlich überstandenen Infektion zu früh wieder mit dem Sport zu beginnen

Generell kann das Risiko eines plötzlichen Herzstillstands durch regelmäßige sportkardiologische Untersuchungen verringert werden.

Bei plötzlichem Herzstillstand: Sofortige Herzdruckmassage durchführen

Im Notfall können Minuten über Leben oder Tod entscheiden. Deshalb ist es wichtig, dass Personen in der näheren Umgebung bei einem Herz-Kreislauf-Stillstand schnell eingreifen und mit der Wiederbelebung beginnen können.

Meist ist der plötzliche Herzstillstand die Folge eines anhaltenden Kammerflimmerns. Bei dieser schweren Herzrhythmusstörung wird kein Blut mehr durch den Kreislauf gepumpt, sodass Betroffene plötzlich das Bewusstsein verlieren. Entscheidend ist dann, möglichst schnell mit der Reanimation, insbesondere der Herzdruckmassage, zu beginnen.

Jede Minute, in der eine Person nach einem plötzlichen Herzstillstand keine Herzdruckmassage erhält, sinkt die Überlebenswahrscheinlichkeit um zehn Prozent. Experten der Deutschen Gesellschaft für Kardiologie (DGK) betonen daher die Bedeutung einer sofortigen Herzdruckmassage. 

Die Herzdruckmassage sollte auch von anwesenden Laien durchgeführt werden. Die Angst, durch eine möglicherweise nicht optimal ausgeführte Wiederbelebung etwas falsch zu machen, sollte niemanden davon abhalten, Erste Hilfe zu leisten. Es gilt daher: Hand aufs Herz!

Gut zu wissen: Leben retten mit der Erste-Hilfe-App

Eine Erste-Hilfe-App des Malteser Hilfsdienstes gibt Tipps, frischt vorhandene Fähigkeiten wieder auf und liefert zahlreiche Schritt-für-Schritt-Anleitungen für verschiedene (Notfall-)Situationen. Mehr Informationen zur App finden Sie in diesem Beitrag: Leben retten per Erste-Hilfe-App.

Herzdruckmassage richtig durchführen

Die Wiederbelebung durch Laien besteht laut der Deutschen Herzstiftung aus den folgenden Schritten: Prüfen, Rufen und Drücken:

Zunächst wird geprüft, ob die kollabierte Person bei Bewusstsein ist. Dazu spricht man sie laut an („Hallo, hallo, wie heißen Sie, was ist passiert?“) und schüttelt sie vorsichtig an den Schultern.  

Reagiert die Person nicht, wird die Atmung überprüft. Dazu wird der Kopf leicht überstreckt und kontrolliert, ob die Person normal atmet. Schnappatmung oder Röcheln gelten nicht als normale Atmung und können Anzeichen eines Herz-Kreislauf-Stillstands sein.

Anschließend wird der Notruf unter 112 abgesetzt. Dabei sollten insbesondere der eigene Name, der genaue Standort und die Information genannt werden, dass der Verdacht auf einen Herz-Kreislauf-Stillstand besteht. Die Fragen der Notrufzentrale sollten vollständig beantwortet werden.

Die Herzdruckmassage ist die zentrale Maßnahme der Laienreanimation. Dazu kniet sich der Ersthelfer neben die bewusstlose Person. Ein Handballen wird auf die Mitte des Brustkorbs gelegt, die zweite Hand auf den Handrücken der ersten. Mit gestreckten Armen wird das Brustbein 5 bis 6 cm tief und 100- bis 120-mal pro Minute in Richtung Wirbelsäule gedrückt.  

Als Orientierung für den richtigen Rhythmus kann beispielsweise der Song „Stayin’ Alive“ der Bee Gees dienen – wie untenstehendes Video des Samariterbundes verdeutlicht. 

Die Herzdruckmassage wird fortgeführt, bis der Rettungsdienst eintrifft oder die betroffene Person wieder Lebenszeichen zeigt. Die Deutsche Herzstiftung empfiehlt Laien ausdrücklich, auf eine Mund-zu-Mund-Beatmung zu verzichten.

Hier können Sie sich das Video des Samariterbundes des Hits „Stayin‘ Alive“ anschauen:

Ja, ich möchte Inhalte von YouTube sehen.
Weitere Informationen finden Sie in unseren Datenschutzbestimmungen.

Sind zwei Helfer vor Ort und befindet sich in unmittelbarer Nähe ein automatisierter externer Defibrillator (AED), kann einer der Helfer das Gerät holen, während der andere die Herzdruckmassage fortsetzt. 

Der AED wird eingeschaltet und die Elektroden werden entsprechend den Piktogrammen auf dem Brustkorb angebracht. Anschließend sind die Sprachanweisungen des Geräts zu befolgen. Die Herzdruckmassage darf nur unterbrochen werden, wenn der AED dazu auffordert, etwa zur Analyse des Herzrhythmus oder zur Abgabe eines Schocks. Quellen:
- Deutsche Gesellschaft für Kardiologie – Herz- und Kreislaufforschung e.V.
- Deutsche Herzstiftung
- Malteser
 

Woche der Wiederbelebung im September

Die Woche der Wiederbelebung wurde vom Berufsverband Deutscher Anästhesistinnen und Anästhesisten (BDA) und der Deutschen Gesellschaft für Anästhesiologie und Intensivmedizin (DGAI) initiiert. 

Die Aktionswoche findet jedes Jahr im September statt und soll das Bewusstsein für die Bedeutung von Reanimation durch Ersthelfende schärfen. Dafür werden bundesweit von verschiedenen Organisationen Veranstaltungen angeboten, um z. B. Laien die Techniken der Wiederbelebung zu veranschaulichen. /mg