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Was ist eigentlich das Chronische Erschöpfungssyndrom?

Von einer Bezeichnung wie „chronische Erschöpfung“ fühlt sich vielleicht mancher persönlich angesprochen. Schließlich ist man von den täglichen Anforderungen oft chronisch überlastet und gestresst.
Doch das Chronische Erschöpfungssyndrom (Chronic Fatigue Syndrome, kurz: CFS), auch Myalgische Enzephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrome (ME/CFS) genannt, hat eine andere Dimension: Es ist eine lang anhaltende schwere Multisystemerkrankung mit breitgefächerter Symptomatik.
Die Krankheit schränkt das Leben massiv ein: Es kann zur Erwerbsunfähigkeit und in schweren Fällen sogar zur Pflegebedürftigkeit kommen. Forscher prüfen derzeit ein spezielles Intervalltraining, das die Symptome lindern könnte – ein Ansatz, der Betroffenen neue Hoffnung bietet.
Merkmale eines CFS: ausgeprägte Belastungsintoleranz
Hauptkennzeichen des CFS ist eine schwere Belastungsintoleranz. Schon der kleinste Spaziergang kann für CFS-Betroffene so belastend sein wie für andere Menschen ein Marathon. Von einem Einkauf im Supermarkt muss sich ein CFS-Patient eventuell stundenlang im Bett erholen. Selbst Zähneputzen kann zu quälender Erschöpfung führen.
Neben der körperlichen tritt oft auch eine geistige Erschöpfungssymptomatik auf. Schon eine halbe Stunde Lesen kann eine enorme Anstrengung bedeuten. Es kommt bei CFS häufig zu Konzentrations-, Merk- und Wortfindungsstörungen („Brain Fog“).
Viele Betroffene leiden auch unter einem allgemeinen Krankheitsgefühl, unter Schwindel und Herzrasen, Kopf-, Muskel- und Gelenkschmerzen und reagieren überempfindlich auf Sinnesreize wie Licht, Geräusche und Gerüche.
Oft treten Kreislaufstörungen (orthostatische Intoleranz) auf. Viele Patienten leiden unter Schlafstörungen und nicht erholsamem Schlaf. Im Krankheitsverlauf können Symptome wechseln oder neu hinzukommen.
Die CFS-Symptome sind individuell unterschiedlich stark ausgeprägt. Typischerweise verstärken sie sich aber schon nach geringer Anstrengung und können zu regelrechten Zusammenbrüchen („Crashs“) führen. Man spricht dann von post-exertioneller Malaise (PEM). Es kann Tage dauern, bis sich die Betroffenen von dieser Überanstrengung wieder erholen.
Ursachen des CFS noch unklar
Die Ursachen des Chronischen Erschöpfungssyndroms sind immer noch nicht aufgeklärt. Auffallend ist, dass sich das CFS bei einem Großteil der Patienten im Anschluss an eine Virusinfektion entwickelt, etwa nach einer Erkrankung mit dem Epstein-Barr-Virus (Pfeiffersches Drüsenfieber) oder einer Influenza.
Über die genauen Pathomechanismen herrscht aber noch Unklarheit. Möglicherweise spielen Immunfehlfunktionen eine Rolle. So lassen sich bei einem Teil der Patienten Autoantikörper gegen sogenannte G-Protein-gekoppelte Rezeptoren – Schlüsselproteine in der Signalvermittlung – nachweisen.
Man nimmt an, dass es zu Fehlregulationen des vegetativen Nervensystems sowie einer Dysfunktion von Mitochondrien und damit zu einem gestörten zellulären Energiestoffwechsel kommt. Auch eine beeinträchtigte endotheliale Gefäßfunktion könnte mitbeteiligt sein.
CFS auch bei Post-COVID möglich
Lange Zeit fand das Chronische Erschöpfungssystem wenig Beachtung. Mit der Corona-Pandemie hat sich das geändert. Denn zahlreiche COVID-19-Erkrankte leiden noch heute unter anhaltenden Beschwerden nach der akuten Erkrankung – bekannt als Post-COVID.
Eine Untergruppe dieser Post-COVID-Betroffenen entwickelt ebenfalls CFS. Auch das Virus SARS-CoV-2 scheint also zu den CFS-Auslösern zu gehören. Selbst nach einem leichten COVID-Verlauf kann es zu den schweren Fatigue-Erscheinungen kommen. ME/CFS hat damit infolge der Corona-Pandemie eine größere Bedeutung bekommen.
Bereits vor Pandemiebeginn litten in Deutschland Expertenschätzungen zufolge circa 300.000 Menschen am Chronischen Erschöpfungssyndrom, darunter rund 40.000 unter 18 Jahren. Der Großteil der Betroffenen ist weiblich.
Wie kann CFS behandelt werden?
Oft ist es schwierig, die Diagnose ME/CFS zu stellen. Bisher gibt es weder einen spezifischen Bluttest noch lässt sich die Erkrankung mit bildgebenden Verfahren nachweisen. Entscheidend sind stattdessen die klinische Symptomatik sowie der Ausschluss anderer Erkrankungen.
Behandelt wird ME/CFS unter anderem mit bestimmten Mikronährstoffkombinationen, bei Bedarf Schmerzmitteln, Melatonin zur Schlafverbesserung oder Kreislaufmedikamenten.
Wichtig ist, dass Betroffene ihr Leben an die individuelle Belastungsgrenze anpassen. Die Patienten müssen lernen, ihre Kräfte und Aktivitäten so zu dosieren, dass es nicht zu einer Verschlimmerung der Symptomatik kommt.
Dieses Verhalten wird als „Pacing“ bezeichnet. Bei vielen CFS-Patienten bessern sich die Symptome im Laufe der Zeit. Die Erkrankung kann aber auch dauerhaft bestehen bleiben.
Mit Sport gegen die Fatigue: Bewegung lindert Erschöpfungssymptome
Neue Erkenntnisse geben nun Anlass zur Hoffnung. Im September 2025 stellten Fachleute der Universität Mainz gemeinsam mit dem Rheumazentrum Rheinland-Pfalz in Bad Kreuznach erste Ergebnisse ihrer ActiLup-Studie vor: Die Symptome des chronischen Erschöpfungssyndroms können sich unter einem hochintensiven Intervalltraining bessern. An der Studie nehmen ausschließlich Personen mit systematischem Lupus Erythematodes (SLE) teil – bei dieser Erkrankung ist Fatigue ein häufiges Allgemeinsymptom.
Die ActiLup-Studie verläuft in drei Phasen. In der ersten Phase zeichnen die 40 Teilnehmer ihre Aktivitäten mithilfe eines Fitnessarmbandes über zwölf Wochen auf. In der zweiten Phasen absolvieren sie in einer Rehaklinik ein vierwöchiges Trainingsprogramm, welches sie in der abschließenden Phase zu Hause fortsetzen sollen. 33 Teilnehmer haben laut den Forschenden die zweite Phase abgeschlossen.
Das Team um Andreas Schwarting, ärztlicher Direktor des Rheumazentrums Rheinland-Pfalz, präsentierte auf dem Kongress die Daten der ersten 28 Patienten, die alle eine gesicherte SLE-Diagnose sowie eine begleitende moderate bis schwere Fatigue aufwiesen.
Teilnehmende der Studie verbesserten durch das Intervalltraining ihre körperliche Leistungsfähigkeit, gemessen an der VO₂max (von 20,3 auf 22,3 ml/kg/min), was sich positiv auf die Krankheitsaktivität bei SLE auswirkte. Bewegung kann somit die Therapie von SLE ergänzen.
Insgesamt zeigte sich auch bei der Fatigue eine leichte Besserung. Besonders ausgeprägt war der Fortschritt bei Patienten, die zusätzlich mit Belimumab behandelt wurden, während Teilnehmende unter anderen Immunsuppressiva oder Corticosteroiden nur eine geringe Verbesserung erzielten. Eine mögliche Interaktion von Belimumab mit dem Training kann die Studie jedoch nicht bestätigen.Quellen:
- Fatigatio e.V. – Bundesverband ME/CFS
- Deutsche Gesellschaft für ME/CFS e.V.; Charité – Universitätsmedizin Berlin
- Julius-Maximilians-Universität Würzburg
- Deutsche Gesellschaft für Neurologie e.V. (DGN)
- DAZ Nr. 11/2023
-https://www.aerzteblatt.de/news/sle-sport-lindert-symptome-des-fatigue-syndroms-8d0a1355-125d-4475-9fcf-3a1bd2927a84
Chronisches Erschöpfungssyndrom (CFS) in Kürze
- Komplexe neuroimmunologische Langzeiterkrankung, auch als Myalgische Enzephalomyelitis/Chronic Fatigue Syndrom (ME/CFS) bezeichnet.
- Anhaltende schwere körperliche und geistige Erschöpfung, außerdem weitere individuell unterschiedliche körperliche und kognitive Symptome, Verstärkung der Symptomatik nach zum Teil geringfügiger Aktivität.
- Ursache noch weitgehend ungeklärt, evtl. immunologische Faktoren als Auslöser. Auftreten oft im Anschluss an Infektionskrankheiten.
- Die CFS-Symptomatik kann auch bei Post-COVID-Betroffenen auftreten.
- Bisher keine spezifische Behandlung verfügbar, symptomatische Behandlung einzelner Beschwerden, persönliches Energiemanagement (Pacing); derzeit Erforschung verschiedener neuer Therapieansätze.