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Gut beraten: Mitesser entfernen: Porentief rein

Der Fachbegriff für Mitesser lautet Komedonen, abgeleitet vom lateinischen Wort comedo, was in etwa verzehren bedeutet. Ein Komedo ist ein fettiger Pfropf, welcher den Ausgang einer Talgdrüse verstopft. Schweiß, Hornzellmasse und das Sebum der Talgdrüsen bilden zusammen eine Emulsion, welche die Haut geschmeidig hält und schützt. Von diesem Hydrolipidfilm ist bei trockener Haut eher zu wenig, bei fettiger Haut hingegen vor allem in der T-Zone (Stirn und der Bereich zwischen Nase und Kinn) zu viel vorhanden. Durch diesen Talgüberschuss kleben Hautschüppchen zusammen und bilden dann einen Pfropf, der die Poren verschließt – der Mitesser ist entstanden.

Mitesser treten häufiger bei zu Akne neigender Haut auf. Sie sind aber im Gegensatz zu Pickeln nicht entzündet. Eine Berührung ist daher nicht schmerzhaft. Entstehen können sie auch durch fetthaltige Stoffe, sogenannte komedogene Substanzen. Sie sind häufig in Kosmetika enthalten.

In den Komedonen kann der Farbstoff Melanin eingelagert sein. Durch eine Oxidation an der Luft entsteht die meist dunkle Verfärbung. Diese Art der Mitesser nennt man auch offene Komedonen oder aufgrund ihrer Färbung Blackheads. Bei diesen ist der Porenausgang durch den Druck des angestauten Inhalts aufgebrochen und das Gemisch aus Horn, Fetten und Zellen kann austreten. Bei den Whiteheads hingegen ist der Follikelausgang verschlossen und der Talg-Horn-Pfropf scheint weißlich durch. Diese geschlossenen Komedonen neigen besonders zu Entzündungen. Die angesammelten Horn- und Talgbestandteile bilden nämlich einen optimalen Nährboden für diverse Keime, insbesondere für in der Haut vorkommende Propionibakterien. Der Talg wird durch diese in freie Fettsäuren umgesetzt, die dann zu Entzündungen führen. Durch Ansammlungen von weißen Blutkörperchen entstehen auf diese Weise nun Papeln (tastbare Vorwölbungen) und Pusteln (Eiterbläschen).

Das Wichtigste in Kürze

  • Mitesser entstehen, wenn die Talgdrüsen im Gesicht zu viel Talg produzieren, was häufig mit Beginn der Pubertät, aber auch im Erwachsenenalter bei einem fettigen Hauttyp oder bei Verwendung von komedogenen Substanzen vorkommt.
  • Stress, ungesunde Ernährung mit zu viel Zucker, Nicotin und Alkohol können die Entstehung von Mitessern begünstigen.
  • Durch eine angepasste Gesichtsreinigung und -pflege kann die Entstehung von Mitessern reduziert werden.

Geeignete Mitesser-Pflege

Wie geht man nun gegen Mitesser vor? An erster Stelle muss die geeignete Reinigung der Haut stehen. Hier sollten nicht fettende Zubereitungen, die die Haut aber auch nicht austrocknen (z. B. Weleda Naturally Clear klärendes Waschgel, Cetaphil Pro Spot Control porentiefer Reinigungsschaum), verwendet werden. Danach kann die Haut, besonders in der T-Zone, mit einem Gesichtstonikum (z. B. La Roche-Posay Effaclar Porenverfeinernde Lotion, Eucerin Dermopure Gesichts-Tonic) geklärt werden. Dieses soll die Poren öffnen und ein mögliches Bakterienwachstum hemmen. Zum Schluss steht dann die richtige Pflege der unreinen Haut an – hier ist darauf zu achten, dass keine komedogenen Substanzen, also keine öligen oder zu reichhaltigen Zubereitungen, verwendet werden (z. B. Vichy Normaderm 24 h Feuchtigkeitspflege, Avène Cleanance Hydra).

Masken und Peelings

Ein- bis zweimal wöchentlich angewendet, können spezielle Masken dann zusätzlich der Bildung von Mitessern entgegenwirken und das Hautbild verfeinern. Klassischerweise werden dazu Masken aus Heilerde, welche Hautausscheidungen lösen und binden (z. B. Luvos Heilerde 2 hautfein Paste, Luvos Heilerde Gesichtsmaske, Caudalie Instant Detox Maske), verwendet. Zusätze aus Kapuzinerkresse oder Zaubernuss (z. B. in Dr. Hauschka Reinigungsmaske) wirken zusätzlich beruhigend. Alternativ können die sogenannten Black Masks mit Aktivkohle eingesetzt werden (z. B. Dermasel tiefenreinigende Aktivkohle Maske). Einige dieser Präparate sind auch Peel-off-Masken (z. B. Ahava peel-off Mask), die nach dem Trocknen abgezogen werden müssen. Hier ist besonders darauf zu achten, dass keine Haare oder Augenbrauen miteingeschlossen werden. Bei empfindlicher Haut ist allerdings von den Peel-off-Masken abzuraten.

Auch die Anwendung von speziellen Peelings kann Mitessern vorbeugen oder sie beseitigen. Jedoch ist dabei zu berücksichtigen, dass die entsprechenden Produkte die Haut nicht zusätzlich reizen. Peelings dürfen nur angewendet werden, wenn zwar Komedonen vorhanden sind, aber entzündete Pickel fehlen. Es eignen sich etwa ultrafeine Mikro-Peeling-Partikel, oft kombiniert mit Frucht- oder Milchsäure (z. B. in Eucerin Dermopure Waschpeeling, La Roche-Posay Mikrofeines Peeling). In manchen Produkten wird auch die Talgabsorption durch Tonerde mit dem Peelingeffekt kombiniert (z. B. in Avène Cleanance Mask Peeling Maske).

Mitesser-Pflaster und -Sauger

In den Drogeriemärkten findet man gegen Mitesser auch sogenannte Nose-Strips. Diese Strips können nicht nur auf die Nase, sondern auch auf die Stirn und ans Kinn geklebt werden. Einige Packungen enthalten verschieden große Pflaster für die entsprechenden Gesichtsbereiche. Auf keinen Fall dürfen sie auf entzündete, gerötete Haut oder auf Pickel geklebt werden. Bei unsanftem Abziehen kann die oberste Hautschicht verletzt werden. Sie eignen sich höchstens zur Entfernung von gewöhnlichen Mitessern und nicht bei sensibler oder trockener Haut.

Komedonenheber oder auch Komedonenquetscher genannt bestehen aus einem länglichen Werkzeug mit einem Ring oder einer Schlinge am Ende. Öfters sind auch an beiden Enden unterschiedliche Ringgrößen angebracht. Zur Entfernung von Mitessern wird der Ring auf diesen aufgesetzt und damit Druck auf das umliegende Gewebe ausgeübt, wodurch der Komedo aus der Haut gedrückt wird. Die Schlinge wird über die entsprechende Stelle während der Druckausübung geführt. Wichtig ist, dass die Hautstelle vorher eventuell schon durch Wasserdampf aufgeweicht und auf jeden Fall desinfiziert wurde. Besonders gut eignen sich Komedonenheber für schwer zugängliche Stellen, wie etwa die Nasenwinkel oder -falten.

Wenn es nicht anders geht: Mitesser schonend ausdrücken

  • niemals bei (entzündeten) Pickeln
  • Hände und Gesicht vorher gründlich waschen
  • Gesichtsdampfbad (Handtuch über den Kopf, über eine Schüssel mit heißem Wasser beugen, für circa 5 bis 10 Minuten durch Nase einatmen, durch Mund ausatmen) machen
  • Fingerspitzen mit einem Kosmetiktuch oder Gaze umwickeln
  • den Mitesser vorsichtig durch Ziehen nach außen und Drücken (abwechselnd Zug und Druck ausüben) entleeren
  • alternativ mit einem desinfizierten Komedonenheber mit dem Ring Druck ausüben und durch abschließendes Auseinanderziehen der umliegenden Haut mit den Fingern, entleeren
  • lässt sich der Mitesser ohne Druck nicht entfernen – sofort aufhören
  • den Talg mit einem sauberen Tuch abwischen und die Stelle desinfizieren (z. B. mit 3% Wasserstoffperoxid, 70 % Isopropylalkohol)
Schließlich gibt es elektrische Mitesser-Sauger. Diese erzeugen ein Vakuum und saugen so den Talg aus den Poren ab. Angeboten werden sie mit verschieden großen Aufsätzen für unterschiedliche Mitessergrößen und mit verstellbaren Saugstärken. Die Handhabung ist eher einfach. Allerdings muss das Gerät regelmäßig desinfiziert werden, sonst droht die Entstehung von Schmierinfektionen. Bei zu rabiater Anwendung besteht die Gefahr der Hämatombildung.

Wie erkläre ich es meinem Kunden?

  • „Ich verstehe gut, dass Sie diesen Porensauger zur Mitesserentfernung gekauft haben. Zur Desinfektion Ihres Porensaugers eignet sich dieser Alkohol.“
  • „Prinzipiell ist es besser, der Bildung von Mitessern vorzubeugen, als sie regelmäßig abzusaugen, da dieser Vorgang die Haut reizen kann. Achten Sie also darauf, den Absaugvorgang vorsichtig und nicht zu häufig durchzuführen.“
  • „Einen solchen entzündeten Pickel dürfen Sie auf keinen Fall öffnen – geben Sie darauf lieber eine dünne Schicht von diesem antibakteriell wirkenden Anti-Pickel-Gel. Am besten machen Sie davor ein Gesichtsdampfbad und reinigen dann die Haut mit diesem Reinigungsgel.“

Do it yourself?

Sowohl der Komedonenheber als auch der Mitesser-Sauger sind wichtige Werkzeuge der ausgebildeten Kosmetiker oder Kosmetikerinnen. Die Werkzeuge werden im Rahmen einer kosmetischen Behandlung zur sogenannten Ausreinigung der Haut verwendet. Immer öfter werden diese Werkzeuge auch zur Selbstanwendung angepriesen. Dabei ist zu beachten, dass durch Quetschen oder unsachgemäße Anwendung eher eine Verschlechterung des Hautzustandes und eine unschöne Narbenbildung entstehen können. Prinzipiell ist deshalb das eigenhändige Ausdrücken (egal ob mit oder ohne Komedonenquetscher) oder gar Absaugen von Mitessern nicht empfehlenswert und sollte der professionellen Behandlung vorbehalten bleiben. Einzelne Pickel können, statt ausgedrückt zu werden, lieber mit speziellen Präparaten gegen Pickel (z. B. Weleda Naturally Clear S.O.S. Spot Treatment, Avène Cleanance Comedomed SOS Hilfe bei Pickeln, Dermasence Seborra Akutroller Gel) behandelt werden.

 Verbessert sich der Hautzustand dadurch und durch die anfangs erwähnte, an den Hautzustand angepasste Reinigung und Pflege nicht, muss auch zu einem Hautarztbesuch geraten werden. Außerdem gilt es, die Entstehung der sogenannten Acné excoriée des jeunes filles oder Dermatillomanie zu verhindern, also das ständige und krankhaft übersteigerte Behandeln, Quetschen oder auch Ausdrücken. Und falls Mitesser doch mal ausgedrückt werden, sind einige Dinge zu beachten, siehe blauer Kasten links oben. Der wichtigste Ratschlag ist jedoch, dass das Desinfizieren auf keinen Fall vergessen werden darf.

Almut Roth

Apothekerin

Stetten bei Meersburg

autor@ptaheute.de