gut beraten: Zyklusstörungen: Aus der Reihe
Als Amenorrhö bezeichnet man das Ausbleiben der Regelblutung, wobei zwischen der primären und der sekundären Form unterschieden wird. Bei der primären Amenorrhö ist die Regelblutung bis zum 16. Lebensjahr noch nicht eingetreten. Spätestens dann ist ein Besuch beim Frauenarzt unbedingt erforderlich, denn im Durchschnitt bekommen Mädchen ihre Menarche, also ihre erste Blutung, bereits mit 12,5 Jahren. Die Ursachen für die primäre Amenorrhö sind häufig angeboren. So können chromosomale Veränderungen dazu führen, dass die Geschlechtsorgane nicht richtig ausgebildet werden, der Körper nicht auf Sexualhormone reagiert oder eine Intersexualität vorliegt. Schwerwiegende Erkrankungen wie Krebs, ein Zuviel oder Zuwenig an Schilddrüsenhormonen oder eine gestörte Funktion der Nebennierenrinde können ebenfalls zum Ausbleiben der Regelblutung führen.
Weitaus häufiger als die primäre Form ist die sekundäre Amenorrhö, bei der bereits Blutungen stattgefunden haben, diese dann aber für mindestens drei Monate am Stück nicht auftreten.
Komplizierter Regelkreis
Für den Ablauf des weiblichen Zyklus ist das Zusammenspiel zahlreicher Hormone erforderlich. Zu Beginn des Zyklus – als Tag eins gilt der erste Tag der Menstruation – sorgt das Hormon FSH (follikelstimulierendes Hormon) aus der Hypophyse dafür, dass mehrere Follikel heranreifen. Die FSH-Ausschüttung wird vom Geschlechtshormon GnRH (Gonadotropin-Releasing-Hormon) geregelt, das im Hypothalamus gebildet wird. Die Follikel produzieren Estrogene, die bewirken, dass die Gebärmutterschleimhaut aufgebaut wird und für eine Schwangerschaft vorbereitet ist. Etwa in der Mitte des Zyklus steigt die Konzentration der Hormone FSH und LH (luteinisierendes Hormon) stark an.
Die hohe LH-Konzentration löst den Eisprung aus, bei dem der am weitesten herangereifte Follikel die in ihm befindliche Eizelle freisetzt. Die Eizelle wandert in den Eileiter, wo sie für etwa 24 Stunden befruchtungsfähig ist. Aus dem Follikel entsteht der Gelbkörper, der das Hormon Progesteron bildet und die weitere Bildung von FSH und LH hemmt. Findet keine Befruchtung statt, werden die Eizelle und die Schleimhaut zusammen mit etwas Blut abgestoßen und der Zyklus beginnt von Neuem.
Das Wichtigste in Kürze
- Amenorrhö bezeichnet das Ausbleiben der Regelblutung. Bei Zwischenblutungen treten neben der normalen Regelblutung noch weitere Blutungen auf.
- Stress oder Hormonschwankungen während der Pubertät oder in den Wechseljahren sind häufige Auslöser für eine sekundäre Amenorrhö oder Zwischenblutungen.
- Die Behandlung richtet sich häufig nach der Grunderkrankung, bei unbekannter Ursache sollte ein Frauenarzt aufgesucht werden.
- Bei leichten Beschwerden können pflanzliche Präparate mit Mönchspfeffer den Zyklus stabilisieren.
Aus dem Takt
Eine häufige Störung, die zu einer sekundären Amenorrhö führt, ist Stress, denn er verringert die Produktion von GnRH im Hypothalamus. So können zum Beispiel das Bevorstehen einer wichtigen Prüfung oder psychische Belastungen den Zyklus aus dem Takt bringen. Intensiver (Leistungs-)Sport kann ebenfalls eine Amenorrhö auslösen, denn obwohl er meist als positiv empfunden wird, ist zu viel Sport ein Stressfaktor. Ist das Körpergewicht oder der Körperfettanteil zu niedrig wie bei Magersüchtigen oder bulimischen Frauen, kommt es ebenfalls häufig zu Amenorrhö.
Eine Schwangerschaft würde der unterversorgte Körper nicht durchstehen; um diese zu verhindern, setzt die Blutung aus. Vor allem bei übergewichtigen Frauen kann das polycystische Ovarialsyndrom (PCOS) mit einer Überproduktion von Androgenen (männlichen Hormonen) die Ursache für die Amenorrhö sein. Durch die hohen Androgenwerte reifen die Follikel nicht heran und die Zyklen sind anovulatorisch, also ohne Eisprung. Das verhindert den weiteren Ablauf des Zyklus, wodurch die Menstruation ausbleibt. Je nach Ausprägung können neben einer Amenorrhö beim polycystischen Ovarialsyndrom auch eine Insulinresistenz, Unfruchtbarkeit und eine Vermännlichung mit Akne und Hirsutismus (verstärkter Haarwuchs etwa an Kinn, Brust und Bauch) auftreten.
Weitere Ursachen für eine sekundäre Amenorrhö
Auch Arzneimittel können den weiblichen Zyklus durcheinanderbringen. So setzt die Blutung nach dem Absetzen der Pille bei manchen Frauen nicht sofort wieder ein. Antihypertonika, vor allem in hohen Dosen, Antidepressiva, Psychopharmaka oder eine Krebstherapie können ebenfalls zu Amenorrhö führen, ebenso wie eine Impfung gegen COVID-19.
Auch das Alter der Frau spielt eine Rolle: Bei jungen Mädchen dauert es häufig einige Zeit, bis sich ein regelmäßiger Zyklus eingespielt hat. Bei älteren Frauen werden die Zyklen einige Jahre vor der Menopause durch die nachlassende Funktion der Eierstöcke unregelmäßiger. Ein Eisprung kann nicht mehr in jedem Zyklus stattfinden, da die Follikel aufgebraucht sind. Im Durchschnitt sind Frauen bei ihrer letzten Blutung 50 bis 52 Jahre alt, bei manchen Frauen setzt die Menopause weitaus später ein, bei anderen jedoch deutlich früher, bereits vor dem 40. Lebensjahr – ist dies der Fall, spricht man vom Klimakterium praecox. Seltenere Ursachen für eine Amenorrhö sind Erkrankungen des Gehirns, der Eierstöcke oder Schäden an der Gebärmutter.
Zyklustempoanomalien
Neben der Amenorrhö, bei der die Blutung bei Frauen im gebärfähigen Alter für mindestens drei Monate ausbleibt, gibt es auch noch die Oligomenorrhö. Dabei haben Frauen nur alle sechs bis zwölf Wochen ihre Menstruation, wohingegen der durchschnittliche weibliche Zyklus 28 plus/minus drei Tage lang ist. Sind die Zyklen kürzer als 25 Tage, bezeichnet man das als Polymenorrhö. Eine Behandlung ist bei beiden nicht zwingend erforderlich.
Nicht schon wieder – Zwischenblutungen
Bei Zwischenblutungen haben betroffene Frauen das umgekehrte Problem. Die Blutungen treten nicht nur während der Menstruation auf, sondern auch davor oder danach. Dieser Ausfluss ist meist bräunlich und verschwindet nach mehreren Stunden oder wenigen Tagen. Schmier- oder Zwischenblutungen, auch Spotting genannt, treten bei manchen Frauen während des Eisprungs auf. Diese Ovulationsblutungen entstehen durch die sich rasch ändernden Hormonkonzentrationen, sie sollten zwar beim Frauenarzt abgeklärt werden, sind aber in der Regel harmlos.
Des Weiteren können starke hormonelle Schwankungen, zum Beispiel während der Pubertät oder durch Schilddrüsenerkrankungen, zu Zwischenblutungen führen. In den Wechseljahren führt eine Gelbkörperschwäche – bei der weniger Progesteron gebildet wird und dafür die Konzentration von FSH stark ansteigt – dazu, dass häufiger Schmierblutungen kurz vor der Menstruation auftreten. Auch ein verkürzter Zyklus kann Folge einer Gelbkörperschwäche sein. Auch Kontrazeptiva können Zwischenblutungen auslösen, besonders häufig treten sie in den ersten Zyklen nach Einnahmebeginn oraler Kontrazeptiva oder nach dem Einsetzen der Spirale auf. Eine kurze, hellrote Blutung kann ein Anzeichen für eine Schwangerschaft sein, da es bei manchen Frauen, wenn sich die Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut einnistet, zu kleinen Gefäßverletzungen kommen kann. Wie auch bei der Amenorrhö können körperlicher Stress wie etwa zu viel Sport, psychische Belastungen oder Krankheiten zu einmaligen oder mehrmals hintereinander auftretenden Zwischenblutungen führen.
Weitere Auslöser für Schmierblutungen können gutartige Wucherungen in der Gebärmutter, sogenannte Myome, sein. Auch bei einer Endometriose kann es zu Zyklusinstabilitäten kommen. Selten sind Entzündungen oder Krebserkrankungen der weiblichen Geschlechtsorgane die Auslöser.
Ärztlich abklären lassen
Wie erkläre ich es meinem Kunden?
- „Das ist richtig, der Stress bei der Arbeit kann zum Ausbleiben der Regelblutung führen. Um ganz sicherzugehen, lassen Sie sich beim Frauenarzt untersuchen. Versuchen Sie, einen Ausgleich zu schaffen, zum Beispiel mit Sport oder Bewegung, und gönnen Sie sich ausreichend Ruhepausen.“
- „Der Frauenarzt hat Ihnen Mönchspfeffer empfohlen? Nehmen Sie täglich eine dieser Tabletten, über mehrere Zyklen.“
Was können betroffene Frauen tun?
Bei leichteren Beschwerden können Frauen auch selbst einiges tun, um wieder regelmäßige Blutungen zu bekommen. So stabilisiert sich bei vielen der Zyklus, wenn es gelingt, Stress zu reduzieren. Ist zu viel Sport die Ursache, können längere Erholungszeiten zur Besserung führen. Bei einer Essstörung normalisiert sich der Zyklus, wenn die Frauen an Gewicht zunehmen. Bei Übergewicht können eine Umstellung der Ernährung und eine Gewichtsreduktion helfen. Zur Unterstützung können Arzneimittel mit Extrakten aus Mönchspfefferfrüchten (z. B. in Agnucaston, Agnus castus AL) empfohlen werden. Der Wirkstoff ist in einer Stärke von 4 mg bei Rhythmusstörungen der Regelblutung, Mastodynie und prämenstruellem Syndrom zugelassen. Die Präparate sollen täglich (auch während der Regel) über drei Zyklen hinweg eingenommen werden. Der genaue Wirkmechanismus ist unbekannt, nachgewiesen wurden dopaminerge Wirkungen und eine Verringerung des Prolaktinspiegels.