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Was ist eigentlich PMOS und wie wird es therapiert?

Das polyendokrine metabolische Ovarialsyndrom oder Ovarsyndrom (PMOS) ist eine Erkrankung mit vielfältigen Symptomen, die in ihrer Ausprägung stark variieren können. Bislang war es unter dem Namen polyzystisches Ovarialsyndrom (PCOS) bekannt.
Durch die Änderung der Bezeichnung soll nun deutlicher werden, dass es sich um eine hormonelle Störung mit zahlreichen Merkmalen handelt. Frauen mit PMOS haben keine Eierstockzysten, wie der alte Name vermuten lässt. Es handelt sich bei den Auffälligkeiten eher um unreife Eibläschen, die Zysten ähneln.
Außerdem stellen sie kein alleiniges Diagnosekriterium dar, denn diese Veränderungen liegen nicht bei jeder Betroffenen vor. Der Name PMOS soll dazu beitragen, dass Diagnose und Versorgung weitreichend verbessert werden.
Das ist wichtig, denn weltweit leiden über 170 Millionen Frauen an PMOS. In Europa ist es sogar die häufigste endokrine Erkrankung bei Frauen im gebärfähigen Alter und zeigt sich häufig zwischen dem 20. und 30. Lebensjahr.
Wie wird PMOS diagnostiziert?
PMOS liegt bei einer erwachsenen Frau vor, wenn zwei der folgenden Kriterien erfüllt sind:
- Störung des Eisprungs
- klinischer und/oder laborchemischer Hyperandrogenismus
- polyzystische Ovarien und/oder hohe AMH-Konzentration
1. Störung des Eisprungs
Unter einer „ovulatorischen Dysfunktion“ werden verschiedene Punkte zusammengefasst. Dazu gehören
- Anovulation (Zyklen ohne Eisprung),
- Oligomenorrhoe (lange Zyklen > 6 Wochen),
- Polymenorrhoe (kurze Zyklen < 21 Tage) und
- Amenorrhoe (Ausbleiben der Blutung > drei Monate).
In der Folge kommt es zu weniger Eisprüngen oder die Eizellen sind häufiger unreif, weshalb es für betroffene Patientinnen schwierig bis teilweise unmöglich ist, ohne medizinische Hilfe schwanger zu werden.
2. Hyperandrogenismus
Auslöser und Grund für mögliche Folgeerkrankungen scheint ein hormonelles Ungleichgewicht im Blut zu sein. Vor allem die Sexualhormone sind beim PMOS häufig außer Balance.
Während wichtige Hormone für die Eizellreifung und den Eisprung (FSH = follikelstimulierendes Hormon und LH = luteinisierendes Hormon) oft in einem ungünstigen Verhältnis zueinander liegen, tritt bei einem Großteil der PMOS-Patientinnen zusätzlich ein Überschuss an männlichen Sexualhormonen auf, den Androgenen (z. B. Testosteron). Daher spricht man als Leitsymptom von einer Androgenisierung (auch Hyperandrogenismus oder Hyperandrogenämie genannt).
3. Polyzystische Ovarien und AMH
Bei polyzystischen Eierstöcken liegen morphologische Veränderung (morphé – „Gestalt“) in einem, meist aber in beiden, Ovarien vor. Polyzystisch bedeutet dabei, dass sich 20 oder mehr Follikel (Eibläschen) im Eierstock bilden und/oder das Volumen des Eierstocks 10 ml übersteigt.
Bei einer gesunden Frau liegen pro Zyklus ca. 6–10 Follikel vor, unter denen sich in der Regel ein Leitfollikel befindet, der eine reife Eizelle freigibt. Dass ein Eisprung aus einem polyzystischen Ovar stattfindet, ist deutlich unwahrscheinlicher, aber nicht ausgeschlossen.
Laut aktueller Studienlage ist auch das Anti-Müller-Hormon (AMH) bei vielen PMOS-Patientinnen signifikant erhöht.
Zur Erinnerung: Was ist das Anti-Müller-Hormon?
Das Anti-Müller-Hormon (AMH) ist ein Proteinhormon, das nur bei männlichen Embryonen und bei erwachsenen Frauen hergestellt wird.
Männliche Embryonen:
- AMH bewirkt die Rückbildung der Müller-Gänge bis zur achten Schwangerschaftswoche, es bleiben nur kleine Hodenanhängsel zurück.
- Weibliche Embryonen können kein AMH bilden; aus den Müller-Gängen bilden sich Gebärmutter, Scheidengewölbe und Eileiter.
Frauen im gebärfähigen Alter:
- AMH wird in den Eierstöcken produziert.
- Es dient der Erhaltung der Eizellreserve im Ovar und ist somit ein wichtiger Indikator für die Fruchtbarkeit der Frau.
- Es besteht eine direkte Korrelation zwischen der Anzahl reifungsfähiger Follikel und der AMH-Serumkonzentration. Die Konzentration bei 18- bis 30-Jährigen liegt bei 1–10 µg/l, danach beginnt der Pegel stark zu sinken.
- Ein gesunkener AMH-Wert deutet auf sinkende Eizellreserven hin, was wiederum bedeutet, dass eine natürliche Schwangerschaft sehr viel weniger wahrscheinlich wird.
Welche Symptome treten bei PMOS auf?
Erste Hinweise darauf, dass ein PMOS vorliegen könnte, sind
- Unfruchtbarkeit,
- Zyklusunregelmäßigkeiten,
- vermehrte Körperbehaarung (Hirsutismus),
- eine tiefere Stimmlage,
- Hypotrophie (Zurückbildung der Brust),
- fettige Haut mit Akne,
- Gewichtszunahme,
- Stoffwechselerkrankungen und Insulinresistenz (z. B. Diabetes Typ 2) sowie
- hormonell bedingter Haarausfall (Alopezie).
Außerdem haben Frauen mit PMOS ein erhöhtes Risiko für die Entstehung von
- einem metabolischen Syndrom,
- Herz-Kreislauf-Erkrankungen,
- Lebererkrankungen,
- Atemstörungen beim Schlafen,
- Gebärmutterkörperkrebs,
- bestimmten Schilddrüsenerkrankungen,
- Depressionen oder
- Essstörungen.
Gut zu wissen: PMOS von anderen Erkrankungen abgrenzen
Vor der PMOS-Diagnose sollten alle anderen Erkrankungsbilder, die ähnliche Erscheinungen nach sich ziehen (sog. Differenzialdiagnosen), ausgeschlossen werden.
Dazu gehören u. a. androgenbildende Tumoren wie Eierstockkrebs oder auch Nebennierenrindenkarzinome, das Cushing-Syndrom, klimakterisch bedingte Hormonschwankungen, Adrenogenitales Syndrom (AGS) oder eine Schilddrüsenunterfunktion.
Ursachen für PMOS sind noch nicht geklärt
Warum sich PMOS ausbildet, ist bislang noch nicht abschließend geklärt. Wahrscheinlich ist die Erkrankung in einem genetisch bedingten hormonellen Ungleichgewicht in der Hypothalamus-Hypophysen-Gonaden-Achse begründet – sprich einem Hormonchaos zwischen Hirn und Eierstöcken.
Auch eine angeborene oder erworbene Insulinresistenz, Übergewicht und ein schlechter Lebensstil wirken sich negativ auf das Zyklusgeschehen aus.
PMOS wird häufig nicht oder erst spät erkannt
Aufgrund der zahlreichen unspezifischen Symptome werden Schätzungen zu Folge ca. 70 Prozent der Fälle nicht diagnostiziert. Häufig werden erst dann Untersuchungen eingeleitet, wenn die Beschwerden sehr stark ausgeprägt sind oder eine gewünschte Schwangerschaft ausbleibt.
Dabei ist eine frühe Diagnose wichtig, um lebensstilorientierte und pharmakologische Maßnahmen rechtzeitig einzuleiten. Dadurch können die Entwicklung metabolischer und psychischer Folgen, aber auch die Aussicht auf eine gewünschte Schwangerschaft, positiv beeinflusst werden.
Diagnose – wie wird ein PMOS erkannt?
Zuallererst kann ein ausführliches Gespräch mit der Patientin (Beginn der ersten Periode, Menstruationszyklus, Pubertätsentwicklung, Familiengeschichte etc.) und eine körperliche Untersuchung mit Beurteilung der Haut und der Körperbehaarung den Ärzten einen guten Überblick verschaffen.
Über einen transvaginalen Ultraschall im Rahmen einer gynäkologischen Untersuchung lassen sich polyzystische Eierstöcke erkennen. Im Ultraschall lassen sich einzelne Follikel erkennen und zählen und auch das Volumen des Eierstocks in Millilitern messen. Bei einigen PMOS-Patientinnen sehen die Eierstöcke allerdings unauffällig aus, weshalb weitere Untersuchungen notwendig sind.
Mithilfe einer Blutuntersuchung kann der Hormonstatus beurteilt und ein Hyperandrogenismus festgestellt werden. Diese kann auch anstelle des Ultraschalls für z. B. noch sexuell inaktive Personen durchgeführt werden, bei denen durch die gynäkologische Untersuchung Unbehagen verursacht werden könnte bzw. kulturelle Werte verletzt werden. Zudem wird der Serumspiegel des Anti-Müller-Hormons im Blut bestimmt.
PMOS belastet Betroffene oft auch psychisch
Betroffene Frauen haben neben den körperlichen Erscheinungen häufig auch mit mentalen Problemen zu kämpfen. Sie haben ein höheres Risiko für Essstörungen, leichte bis mittelgradige Depressionen und Angststörungen.
Adipositas und Unfruchtbarkeit bzw. ein „erschwertes Schwangerwerden“ und die Körpermerkmale durch den Testosteron-Überschuss können die Lebensqualität stark beeinträchtigen.
Je nach Ausmaß sollten Betroffenen psychologische Unterstützung und falls erforderlich auch eine medikamentöse, also antidepressive, Therapie angeboten werden.
Gut zu wissen: Therapiemöglichkeiten bei PMOS
Die Behandlungsansätze bei PMOS richten sich immer nach dem Beschwerdebild und der aktuellen Lebensphase.
Bei Kinderwunsch und Schwangerschaft müssen die jeweiligen Wirkstoffe auf Einsetzbarkeit geprüft werden. Sie werden i. d. R. off-label verordnet, wobei grundsätzlich ausreichend Evidenz besteht.
- Metformin: Diabetes Typ 2, Teil der Fruchtbarkeitstherapie
- Inkretinagonisten (z. B. Semaglutid, Tirzepatid): Diabetes Typ 2, Übergewicht
- Clomifen: Störung des Eisprungs
- Orale Kontrazeptiva: Verhütung, Akne, übermäßige Gesichtsbehaarung
- Cyproteronacetat, Isotretinoin, bestimmte Antibiotika, Benzoylperoxid: Akne
- Spironolacton: arterielle Hypertonie
- Eflornithin: übermäßige Gesichtsbehaarung
- Minoxidil: hormonell bedingter Haarausfall
Auch nichtmedikamentöse Maßnahmen wie gesunde Ernährung, körperliche Aktivität, Verhaltenstherapie sowie Gewichtsmanagement bei Übergewicht sind wichtige Therapiemöglichkeiten.
Kinderwunsch und Schwangerschaft mit PMOS
Für Frauen mit PMOS und Kinderwunsch gelten die allgemeinen Empfehlungen bezüglich Ernährung, Folsäureeinnahme, Gewichtsmanagement, Alkohol- und Nikotinkonsum.
Da häufiger Schwangerschaftskomplikationen wie Bluthochdruck, Präeklampsie, Fehl- und Frühgeburten, Wachstumsverzögerungen beim Kind und vor allem ein Gestationsdiabetes auftreten, werden regelmäßige Blutdruck- und Blutzuckerkontrollen durchgeführt.
Bleibt der Kinderwunsch mit oder durch das PMOS auf natürlichem Weg unerfüllt, können die Eizellreifung und der Eisprung medikamentös unterstützt werden, z. B. mit Letrozol (Mittel der ersten Wahl bei Frauen mit PMOS), Clomifen in Tablettenform oder auch durch Hormonspritzen (LH, FSH, GnRH).
Diese Therapien werden in den meisten Fällen von speziellen Kinderwunschzentren veranlasst und begleitet, nicht selten nehmen die PMOS-Patientinnen dort auch eine künstliche Befruchtung auf sich, um ihren Kinderwunsch zu erfüllen.
Dabei werden Ei- und Samenzelle außerhalb des Körpers zusammengebracht und sind so von einem (nicht) vorhandenen Eisprung unabhängig. Diese oft zeit-, kosten- und nervenintensive Behandlung sollte auch auf psychologischer Ebene nicht unterschätzt werden. Quellen
https://www.roche.de/presse/news/roche-test-unterstuetzt-ab-sofort-auch-bei-der-diagnose-des-polyzystischen-ovarsyndroms
https://flexikon.doccheck.com/de/Polyzystisches_Ovarialsyndrom?utm_source=www.doccheck.com&utm_medium=DC%2520Search&utm_campaign=DC%2520Search%2520content_type%253Aall&utm_content=DC%2520Search%2520pcos
https://flexikon.doccheck.com/de/Anti-Müller-Hormon?utm_source=www.doccheck.com&utm_medium=DC%2520Search&utm_campaign=DC%2520Search%2520content_type%253Aall&utm_content=DC%2520Search%2520amh
https://www.pcos-selbsthilfe.org/media/2014/PCOS-Patientinnen-Broschuere-2014.pdf
https://www.thieme-connect.com/products/ejournals/abstract/10.1055/s-2003-40470#
https://www.cyclotest.de/pco-syndrom/
https://www.limbachgruppe.com/fileadmin/downloads/Arztinformationen/LaborAktuell/LaborAktuell_PCOS.pdf
https://www.thelancet.com/journals/lancet/article/PIIS0140-6736%2826%2900717-8/fulltext
https://register.awmf.org/assets/guidelines/089-004l_S2k_Diagnostik-Therapie-polyzystisches-Ovarsyndrom-PCOS_2025-08.pdf